Manipulation bei Kundengeldern: Nur wenige Kunden kündigen Heros

Manipulation bei Kundengeldern
Nur wenige Kunden kündigen Heros

In den Betrugsskandal um den Wertdienstleister Heros kommt langsam Licht. Nach Angaben des Heros-Konkursverwalters Manuel Sack hat das Management einen großen Teil der Kundengelder nicht auf Treuhandkonten geführt.

mak FRANKFURT. In den Betrugsskandal um den Wertdienstleister Heros kommt langsam Licht. Nach Angaben des Heros-Konkursverwalters Manuel Sack hat das Management einen großen Teil der Kundengelder nicht auf Treuhandkonten geführt. Dadurch konnten eingezahlte Kundengelder auf andere Geschäftskonten von Heros weiter überweisen und dort für den Geschäftsbetrieb und andere Zwecke verwendet werden, teilte Sack, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Brinkmann & Partner, Hannover, am Freitag mit.

Die Heros-Gruppe hat am 20. Februar für 27 und nicht, wie bisher berichtet, für 23 ihrer Gesellschaften Insolvenz angemeldet, stellt Sack klar. Firmengründer Karl-Heiz Weis und drei seiner Mitarbeiter befinden sich in Untersuchungshaft. Sie sollen nach Angaben der Ermittler rund 300 Mill. Euro veruntreut haben.

Sack zufolge hat die Heros-Geschäftsführung Kundengelder seit Jahren missbraucht. Dadurch sei eine immer größere Liquiditätslücke entstanden, die sich schließlich nicht mehr habe kaschieren lassen. Betroffen seien vor allem Kunden, die zwischen dem 10. und 17. Februar Geld Heros Geld überlassen hätten. Denn damit seien Verbindlichkeiten gegenüber Einzahlern aus den Tagen davor beglichen worden. Die Höhe der Verluste werde derzeit mit den Kunden geklärt, berichtet Sack. Gegen die Verantwortlichen würden alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um wenigstens einen Teil der veruntreuten Gelder zurückzuerlangen.

Die Voraussetzungen für eine vorläufige Weiterführung der Heros-Betriebe seien gegeben, betont der Insolvenzverwalter. Einige verunsicherte Kunden hätten ihre Verträge zwar gekündigt. Inzwischen hätten sich aber viele entschieden, Heros doch weiter zu beauftragen oder neue Verträge abzuschließen. Bis Ende April sollen neue Eigentümer für die Betriebe gefunden werden. Offenbar gebe es schon Interessenten, sagte eine Heros-Sprecherin.

Einer der Hauptgeschädigten in dem Betrugsfall ist Presseberichten zufolge die Kölner Einzelhandelsgruppe Rewe. Unternehmenssprecher Wolfram Schmuck bestätigte zwar, dass Rewe betroffen sei. Zu einem Bericht in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wonach auf sein Haus ein dreistelliger Millionenbetrag entfällt, wollte er sich aber nicht äußern. Auch die Bundesbank zählte zu den Heros-Kunden. Wettbewerber werfen Heros vor, mit Dumpingpreisen operiert und so Kunden gewonnen zu haben.

Vermutlich hat Deutschlands größter Wertdienstleister auf diese Weise auch in Belgien Tritt gefasst. Denn im Herbst 2005 ging ein großer Teil des belgischen Marktvolumens von Wettbewerber Fortis an Heros. Bis dahin hatten sich nur zwei Unternehmen den belgischen Markt geteilt. Für die Heros-Töchter in Belgien und in Österreich wurden keine Insolvenzanträge gestellt.

Nach Informationen des Magazins „Focus“ hat ein Insider im August vorigen Jahres das Ermittlungsverfahren ins Rollen gebracht. Dieser habe den Ermittlern über Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen von Heros berichtet.

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