Mannheimer Zuckerkonzern
Südzucker nach heftigem Gewinneinbruch skeptisch

Südzucker rechnet nach Verlusten im vergangenem Jahr mit weiteren Einbußen für das laufende Geschäftsjahr. Grund dafür seien die niedrigen Preise. Die Konsequenzen daraus spürt der Zuckerkonzern an der Börse deutlich.
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FrankfurtEin Gewinneinbruch im vergangenen Jahr und die Aussicht auf einen weiteren Absturz stoßen den Aktionären von Südzucker sauer auf. Das operative Ergebnis sei im Geschäftsjahr 2013/14 um fast ein Drittel gefallen, teilte Europas größter Zuckerproduzent am Dienstag in Mannheim mit und kündigte noch größeres Ungemach an: Im laufenden Geschäftsjahr, das am 1. März begonnen hat, werde der operative Konzerngewinn um mehr als zwei Drittel schrumpfen, weil es in den Geschäften mit Zucker und auch mit Bioethanol Probleme gebe. Viele Anleger suchten in der Folge ihr Heil in der Flucht. Die Südzucker-Aktie lag am Mittag mit gut 19 Prozent im Minus. Damit war sie mit weitem Abstand größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax.

Die Talfahrt an der Börse sorgte für den größten Tagesverlust der Unternehmensgeschichte. Die Aktien waren zeitweise so billig wie zuletzt im Herbst 2010. Dabei wechselten bis zum Mittag gut sieben Mal so viele Südzucker-Papiere den Besitzer wie sonst im Schnitt an einem ganzen Tag. Knapp die Hälfte des gesamten Aktienumsatzes im MDax ging auf das Konto des Zucker-Produzenten.

Der Börsenwert von Südzucker schrumpfte zeitweise um 825 Millionen Euro. Das entspricht in etwa dem Doppelten der gesamten Marktkapitalisierung der Tochter CropEnergies, die ebenfalls einen pessimistischen Ausblick ablieferte. Analyst Dennis Schmitt von der Commerzbank bezeichnete die Prognose von Südzucker als entsetzlich und schockierend. Sein Kollege Wolfgang Vasterling von der NordLB schrieb, der Ausblick auf das neue Geschäftsjahr sei "noch wesentlich schlechter" ausgefallen als befürchtet. Die Ergebnisse für das abgelaufene Jahr hätten dagegen weitgehend den Erwartungen entsprochen.

Im Geschäftsjahr 2013/14 fiel der operative Gewinn von Südzucker um 32 Prozent auf 658 Millionen Euro. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf gut 7,7 Milliarden Euro. Damit lagen die beiden Kennziffern im Rahmen der Ende November gesenkten Jahresziele. Südzucker hatte die Prognosekorrektur damit begründet, bei den Kunden keine höheren Preise durchsetzen zu können. Im Gegenzug habe der Mannheimer Konzern selbst für Zuckerrüben aber mehr bezahlen müssen.

Für 2014/15 kündigte der Konzern einen Rückgang der Erlöse auf rund 7,0 Milliarden Euro an. Der europäische Zuckermarkt werde zunehmend schwieriger, die Vorratsbestände seien hoch. Weil das Unternehmen nicht mit rascher Besserung rechnet, sollen die Kosten vor allem im größten Segment Zucker auf den Prüfstand gestellt werden.

Auch im Geschäft mit Bioethanol - Südzucker ist mit der Tochter CropEnergies der größte deutsche Hersteller - verschlechtere sich das Umfeld weiter, unter anderem weil US-Importeure von Biosprit die Strafzölle der EU umgingen. In der Folge werde der operative Gewinn von Südzucker im laufenden Jahr auf rund 200 Millionen Euro abschmelzen. Schon im ersten Quartal werde das Ergebnis "deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen", hieß es. CropEnergies schließt sogar nicht aus, trotz eines Umsatzplus im laufenden Jahr operativ in die Verlustzone zu rutschen. Die Anteilsscheine der Biosprittochter verloren mehr als sechs Prozent

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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