Maritime Wirtschaft
Vom Container in die Nische

Die Flaute auf den Weltmeeren reißt die Nachfrage nach Containerschiffen in die Tiefe und zwingt die Werften zum Umdenken. Statt auf dicke Tanker und Container-Schiffe spezialisieren sich die deutschen Bootsbauer auf das Marine-Geschäft und Mega-Jachten.

FRANKFURT/HAMBURG. Der 12. Juni sollte ein guter Tag werden für die Hamburger Werft Blohm & Voss. An dem Freitag lief die geheimnisumwitterte Mega-Jacht Eclipse des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch vom Stapel. Ein Schiff der Superlative, knapp 170 Meter lang, Raketenabwehr, Hubschrauberlandeplatz. Eine Mannschaft von 70 Leuten sorgt für die Rundumbetreuung an Bord.

Abramowitsch lässt sich den Bau der Mega-Jacht, die nur wenige Meter kürzer als das Kreuzfahrtschiff Deutschland ist, einiges kosten. Dem Vernehmen sollen es rund 250 Mio. Euro sein, die in die Kassen der zu Thyssen-Krupp gehörenden Werft fließen. Die Manager von Blohm & Voss könnten sich die Hände reiben, wären da nicht die vielen Sonderwünsche des Milliardärs gewesen. So verlangte der von Abramowitsch beauftragte Designer unter anderem eine nachträgliche Verlagerung des bereits installierten Hubschrauberlandeplatzes um zwei Meter.

Läuft es schlecht, dann bleibt die Werft auf den Kosten dafür sitzen. "In den Verträgen ist nicht klar geregelt, wer dafür aufkommt. Ein klarer Fehler im Vertragsmanagement", sagt ein Insider. Gestritten wird um einen mittleren zweistelligen Millionenbereich. Thyssen-Krupp wollte sich dazu nicht äußern.

Mit der neuen Abramowitsch-Jacht wird Blohm & Voss dem Konzerninsider zufolge voraussichtlich kein Geld verdienen - ein Rückschlag für Thyssen Marine Systems-Krupp (TKMS). Deutschlands größter Werftenkonzern überarbeitet angesichts der Branchenkrise sein Geschäftsmodell. Der Fokus soll auf das Marine-Geschäft und Mega-Jachten gelegt werden, Container-Schiffe will der Konzern nicht mehr bauen.

Thyssen-Vorstandschef Ekkehard Schulz erklärte diesen Bereich zum Randgeschäft, für den ein Partner gesucht werden soll. Mit dem günstigen Preisen der Konkurrenz aus Korea und anderen asiatischen Ländern kann der Standort Deutschland nicht mithalten, so sein Resümee. Die Werften in Deutschland erhielten in den vergangenen Jahren nur Aufträge, weil Asiens Schiffbauer komplett ausgebucht waren.

Mit der Flaute auf den Weltmeeren reißt die Nachfrage schlagartig ab. Schlimmer noch: In Europa und speziell in Deutschland wird Branchenkennern zufolge mehr abbestellt als andernorts. "Stornierungen nehmen weiter zu", berichtet Jörg Mutschler, Chef der Arbeitsgemeinschaft Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie im Maschinenbauverband VDMA. Seit Jahresbeginn seien die Auftragseingänge stark eingebrochen. "Für dieses und nächstes Jahr sind unsere Unternehmen noch gut beschäftigt. Aber wir machen uns große Sorgen um die Auslastung im Jahr 2011." Die Situation sei schizophren: "Die Betriebe müssten jetzt eigentlich noch Mitarbeiter einstellen, die sie 2011 absehbar nicht mehr beschäftigen können."

Drei Viertel der Wertschöpfung eines Transportschiffes stammt von der Zulieferindustrie, deren 400 Unternehmen in Deutschland mit 72 000 Beschäftigten 2008 einen Umsatz von 13 Mrd. Euro erwirtschafteten, ein Plus von 8,4 Prozent. 2009 wird der Umsatz stagnieren.

Seite 1:

Vom Container in die Nische

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%