Markensucht: Das düstere Geheimnis des Einkaufens

Markensucht
Das düstere Geheimnis des Einkaufens

In westlichen Staaten sind deutlich mehr Menschen kaufsüchtig als vom Alkohol abhängig. Die Sucht nach teuren Marken zerstört Existenzen. Betreiben die Konzerne das böse Spiel mit Absicht?
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DüsseldorfCarolyn Longmead ist eine Sekretärin mittleren Alters, nie besonders auffällig, scheinbar ein Mensch wie du und ich. Bis aufflog, dass sie über zwei Jahre hinweg in dem kleinen Elektroladen rund 225.000 Dollar mitgehen ließ.

Doch sie brauchte das Geld nicht, um ihr Eigenheim abzubezahlen oder ihrem Kind das Studium zu finanzieren. Carolyn Longmead war markensüchtig. Die Ermittler fanden in ihrem Haus derart viele Produkte von Louis Vuitton, Prada und Gucci, dass sie 27 Müllsäcke brauchten, um alles abzutransportieren.

Rund sechs Prozent der US-Bevölkerung - für Deutschland gibt es so konkrete Zahlen nicht - sind kaufsüchtig. Das sind mehr als dem Alkoholismus verfallen. Die Markensucht ist eine wesentliche Unterform davon. Die direkten Folgen gehen – vom finanziellen Schaden mal ganz abgesehen – über Essstörungen bis hin zum Drogenmissbrauch. „Marken- und Kaufsucht sind vielleicht nicht so lebensbedrohlich wie Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit, doch sehr real – und im Extremfall äußerst belastend“, schreibt Martin Lindstrom in seinem heute erscheinenden Buch „Brandwashed. Was du kaufst, bestimmen die anderen“.

Das Buch ist ein Muss für jeden, der sein Konsumverhalten besser durchschauen will oder schlicht daran interessiert ist, wie wir Ottonormalbürger bei unserem täglichen Einkauf ausgenutzt werden. Oder warum in einer repräsentativen Umfrage unter Teenagern 60 Prozent ja sagen auf die Frage, ob man sich Glück kaufen kann.

Lindstrom ist einer der bekanntesten Marketing-Gurus der Welt. Kein anderer Fachmann verbindet die Markenforschung so intensiv mit der Praxis – zu Lindstroms Klienten zählten zig Top-Konzerne.

Wir sind nach vielem abhängig: Alkohol, Zigaretten, Medikamenten, unseren Smartphones. Aber nur die Wenigsten sind sich bewusst, was die häufigste aller Abhängigkeiten ist: die Sucht nach Konsum und Marken. Damit sind nicht nur die „Apple-Jünger“ gemeint, die Tage vor den Stores kampieren, um möglichst früh das neue iPhone oder iPad zu bekommen. Es sind auch zig tausend Menschen, die jeden Morgen einen Starbucks-Kaffee brauchen – also nicht irgendeinen Kaffee, sondern unbedingt einen Becher mit der grünen Sirene drauf.

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