Marketing-Maschen: Wie wir beim Einkaufen betrogen werden

Marketing-Maschen
Wie wir beim Einkaufen betrogen werden

Das Marketing von heute kennt keine Grenzen mehr: Firmen sammeln höchst private Daten, Babys werden schon vor der Geburt beschallt, Achtjährige bekommen gepolsterte Bikinioberteile. Die Welt des Konsums wird wahnsinnig.
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DüsseldorfWären Sie bereit, einem Videospiele-Hersteller „eine nicht übertragbare Option auf Ihre unsterbliche Seele“ zu gewähren? Nein? 88 Prozent der US-Kunden waren es. Und das liegt freilich nicht daran, dass man jenseits des großen Teichs mit seiner Seele allzu bereitwillig um sich wirft. Die Leute haben beim Einkaufen schlichtweg nicht aufgepasst – vom Lesen der Nutzungsbedingungen ganz zu schweigen.

Es handelte sich in diesem Fall um einen Aprilscherz. Aber der Hintergrund ist so real wie erschreckend: Der Gag sollte zeigen, wie dreist Unternehmen vorgehen und wir hilflos die Konsumenten oft sind. Die Firmen durchleuchten unsere Konsumgewohnheiten, erfahren unsere Wünsche, Begierden und Träume. Martin Lindstrom erklärt die wahnsinnige Welt des Marketings in seinem heute erscheinenden Buch „Brandwashed. Was du kaufst, bestimmen die anderen“.

Das Buch ist ein Muss für jeden, der sein Konsumverhalten besser durchschauen will oder schlicht daran interessiert ist, wie wir Ottonormalbürger bei unserem täglichen Einkauf ausgenutzt werden. Lindstrom ist einer der bekanntesten Marketing-Gurus der Welt. Kaum ein anderer Fachmann verbindet die Markenforschung so intensiv mit der Praxis – zu Lindstroms Klienten zählten zig Top-Konzerne.

Daher auch der Buchname „Brandwashed“. Dem Konsumenten widerfährt eine „Gehirnwäsche“, so Lindstrom. Die Marketingabteilungen der Konzerne „wissen mehr denn je zuvor alles, was uns antreibt, Angst macht, beruhigt oder verführt“. Ihre Produkte sollen uns selbstbewusster, geliebter und sicherer machen.

Man nimmt Lindstrom sein Versprechen ab, „all die psychologischen Tricks und Kniffe“ zu kennen, die Unternehmen ersonnen haben, „um uns bei unseren tiefsten Ängsten, Traumen und Wünschen zu packen, damit wir ihre Produkte kaufen“. Denn der Autor war 20 Jahre lang ein bedeutender Teil der Marketingwelt und ist rückblickend „nicht immer stolz darauf“. Heute schreibt er lieber über all das, weil er „schlicht genug hatte“.

Den ersten Schreck bekommt der Leser als er erfährt, wann die Marketingschlacht beginnt. Im Kindesalter, würde man denken, doch weit gefehlt. Längst gibt es Methoden, wie man bereits vor der Geburt Produkt-Präferenzen einimpfen kann.

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