Markit-Umfrage
Dünne Luft für europäische Dienstleister

Boom in Deutschland, Abkühlung in Frankreich, Rezession in Italien: Die Dienstleister in den drei größten Wirtschaftsmächten des Euro-Raums entwickeln sich sehr unterschiedlich. Der Auftragseingang zog im Juni an.
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BerlinDer Auftragseingang zog stärker an als im Mai, geht aus einer Markit-Umfrage unter etwa 500 Firmen hervor. Auch die Auftragsbestände füllten sich weiter. Die Unternehmen stockten daher ihre Belegschaften so stark auf wie seit November nicht mehr. Die soliden Zuwächse könnten teilweise das abgeschwächte Wachstum der Industrie ausgleichen, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore. „Die deutsche Privatwirtschaft insgesamt verzeichnete jedoch so geringe Geschäftszuwächse wie zuletzt im Herbst vergangenen Jahres.“

Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Service-Branche stieg im Juni auf 56,7 Punkte von 56,1 Zählern im Mai. Der Anstieg fiel damit aber nicht so stark aus wie in einer ersten Schätzung vorhergesagt. „Alle sechs von der Umfrage erfassten Bereiche vermeldeten im Juni Geschäftszuwächse“, schrieben die Markit-Experten. Bereits seit knapp zwei Jahren hält sich das Barometer über der Marke von 50 Punkten und signalisiert damit Geschäftszuwächse. „Das zweite Quartal dieses Jahres konnte im Durchschnitt (56,5 Punkte) allerdings nicht mit den Spitzenwerten vom Jahresanfang (59,6 Zähler) mithalten“, teilte Markit weiter mit.

Zu schaffen machten den Dienstleistern die wieder stärker anziehenden Einkaufspreise: Die Kosten legten stärker zu als noch im Mai. Zwar gelang es den Unternehmen, einen Teil dieser höheren Belastungen an die Kunden weiterzureichen. Die Preise für Dienstleistungen stiegen jedoch nicht so stark wie noch zum Jahresauftakt.

Die Aussichten für das nächste Jahr schätzen die Dienstleister nicht mehr so günstig ein wie im Vormonat: Das entsprechende Barometer gab spürbar nach und notiert inzwischen auf dem tiefsten Stand seit Februar 2010. „Einige der Befragten erwarten eine Abkühlung der Nachfrage von ihren traditionellen Absatzmärkten in den kommenden zwölf Monaten“, schrieben die Forscher.

Auch die Industrie bekommt den schwächelnden Auftragseingang zu spüren. Gerade aus dem Ausland kamen zuletzt weniger Bestellungen. Das Wachstum fiel so gering aus wie seit 17 Monaten nicht mehr. Der Composite-Index, der sich aus Industrie und Dienstleistern zusammensetzt, gab auf 56,3 Punkte von 57,1 Zählern im Mai nach und signalisierte damit das schwächste Wachstum seit Oktober 2010.



Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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