Marktbereinigung der Billigflieger beginnt
Germanwings und Easyjet kommen sich ins Gehege

Die kritische Situation im überbesetzten deutschen Billigflugverkehr spitzt sich weiter zu. Nach Handelsblatt-Informationen wird Germanwings den Flughafen Gatwick im Süden Londons ab Mai 2004 zweimal täglich anfliegen, um damit die gefürchtete Deutschland-Expansion der britischen Easyjet zu stören.

HB DÜSSELDORF. Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein bestätigte gestern entsprechende Pläne: „Wir wollen unseren Standort Köln/Bonn damit absichern und ausbauen“, sagte Klein dem Handelsblatt.

Bisher hat Easyjet nur die Flughäfen in Berlin-Schönefeld und Dortmund als neue Flugziele offiziell angekündigt. Branchenexperten erwarten jedoch, dass die angriffslustigen Briten ihre Expansionspläne in Kürze auch auf den Standort Köln/Bonn ausweiten werden. An diesem Flughafen haben sowohl der Lufthansa-Ableger Germanwings als auch die Tui-Tochter Hapag Lloyd-Express (HLX) ihre Basis.

Im Vergleich zu den profitabel fliegenden Briten, die mit Ryanair um die Marktführerschaft in Europa kämpfen, sind die deutschen Neustarter jedoch nur kleine Fische mit einem überschaubaren Streckennetz. Easyjet teilte gestern mit, die durchschnittliche Auslastung der Flugzeuge im vergangenen Quartal auf 82,4 % gesteigert zu haben. Die Anzahl der beförderten Passagiere stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16,3 % auf 5,3 Millionen.

„Wenn Easyjet auch in Köln/Bonn angreift, müssen sich all die anderen deutschen Billig-Airlines warm anziehen“, sagte ein Unternehmensberater aus der Tourismusbranche. Im Gegensatz zu Germanwings und HLX könne Easyjet seinen Kunden ein europaweites Netz von Billigflügen anbieten.

Eine baldige Konsolidierung halten Branchenbeobachter deshalb für unausweichlich. Flugstreichungen des Billiganbieters Germania Express (Gexx), die gestern bekannt gegeben wurden, passen in dieses Bild. Alle Zürich- und Wien-Strecken von Gexx würden ab Ende März von Air Berlin übernommen, teilten die Firmen gestern mit. „Sowohl Air Berlin als auch Germania müssen sich im zunehmend härter werdenden Wettbewerb gegen Billig-Fluggesellschaften aus ganz Europa behaupten. Da wir beide kein Geld verlieren wollen, macht ein Gegeneinander keinen Sinn mehr,“ sagte Germania-Eigentümer Hinrich Bischoff. Air Berlin übernimmt im Leasing drei Fokker-100 der Germania und setzt diese auf ihrem Streckennetz ein. Die Jets werden zwar mit Germania-Piloten, aber in den Farben der Air Berlin fliegen. „Wir prüfen, ob wir auch noch auf anderen Strecken zusammenarbeiten können“, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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