Marktforscher sagen das schlechteste Jahr seit vier Jahrzehnten voraus
Konsumkrise trifft britische Händler

Die Konsumflaute in Großbritannien spitzt sich zu. Wie der nationale Einzelhandelsverband British Retailing Consortium (BRC) gestern mitteilte, erlebten die Ladenbesitzer auf der Insel das schlechteste Mai-Geschäft seit Anbeginn der statistischen Aufzeichnungen vor zehn Jahren.

HB/dih LONDON. Nicht nur die Umsätze des vergangenen Monats lagen um 2,4 Prozent niedriger als im Vorjahr. Schon im April hatte der Handel gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat 4,7 Prozent weniger umgesetzt. Die Flaute trifft insbesondere traditionelle Handelsketten in den Einkaufszonen, die das mittlere Marktsegment bedienen. Ähnlich wie in Deutschland bleibt dagegen der britische Lebensmittelhandel von der Konsumkrise weitgehend verschont. Supermarkt-Riese Tesco etwa, der in Großbritannien einen Marktanteil von fast 30 Prozent hält, wuchs im Heimatmarkt zuletzt um stattliche neun Prozent. Auch Sainsbury, Asda und Somerfield legten weiter zu.

Produkte des mittel- und langfristigen Bedarfs, etwa Möbel oder Teppiche oder Bekleidung, haben es dagegen beim britischen Konsumenten immer schwerer. „Die nun vorliegenden Zahlen sollten nun wohl jeden Zweifel beseitigen, dass wir uns in einer vom Konsum angeführten Rezession befinden", sagte gestern BRC-Generaldirektor Kevin Hawkins. Unter Analysten hatte es zuletzt zwei Fraktionen gegeben: Die einen sahen die seit dem Weihnachtsgeschäft zu beobachtende Zurückhaltung der Konsumenten als vorübergehende Erscheinung, die anderen riefen schon seit März eine Trendwende nach mehr als zehnjährigem Konsumboom aus.

Nun scheinen die Pessimisten Recht zu behalten. Sie sehen das Ende des beispiellosen Hauspreis-Anstiegs als Hauptursache für die Zurückhaltung der britischen Kunden. Viele von ihnen sind seit Anfang der neunziger Jahre auf dem Papier wohlhabend geworden, weil der Wert ihrer Häuser Jahr für Jahr kräftig stieg, oftmals mit zweistelligen Prozentsätzen. Viele nutzten die niedrigen Zinsen, um immer höhere Hypothekenkredite aufzunehmen. Im Mai stiegen die Hauspreise bereits so langsam wie seit neun Jahren nicht mehr. Beginnen sie zu fallen, könnte das für etliche Haushalte zur Schuldenfalle werden, warnen Ökonomen. Hinzu kommt, dass die Konsumenten höhere Benzinpreise bezahlen müssen und Angst vor steigenden Steuern und Abgaben haben.

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