Marktstudie
Prüfer erwarten blühendes Geschäft

Deutschlands Wirtschaftsprüfer profitieren kräftig von Übernahmeboom und von der wachsenden Regulierung. Beides bringt der Branche gute Aufträge. Doch trotz des guten Geschäfts fürchten viele Prüfer zwei Probleme.

DÜSSELDORF. Allein im vorigen Jahr stieg der Umsatz im Schnitt um 8,3 Prozent. Für das laufende Jahr erwarten die Gesellschaften im Schnitt sogar ein Wachstum von zehn Prozent. Dennoch fürchten viele Prüfer den Mangel an Nachwuchs und die zunehmende Reglementierung der eigenen Branche.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Marktforschungsgruppe Lünendonk in einer Studie, an der 65 große Prüfungsgesellschaften teilgenommen haben. Marktführer in Deutschland war demzufolge Pricewaterhouse Coopers (PwC), deren Deutschlandumsatz um sieben Prozent auf 1,23 Mrd. Euro stieg (siehe Tabelle). Ähnlich stark legten die direkten Konkurrenten KPMG (sieben Prozent) und Ernst & Young (9,4 Prozent) zu. Die Nummer vier der Branche, Deloitte, kam auf ein Wachstum von knapp sechs Prozent.

Diese Anbieter gelten als die „Big Four“: Sie kontrollieren praktisch das gesamte Geschäft mit der Prüfung börsennotierter Unternehmen. Die Konzentration ist seit dem Jahr 2000 gewachsen und wird in der Branche höchst unterschiedlich bewertet: Die Großen selbst halten es für eine logische Entwicklung, weil die Regulierung börsennotierter Firmen sowie die Bilanzvorschriften stark zugenommen haben. „Die dafür notwendigen Ressourcen können meist nur große Prüfungsgesellschaften aufbauen und vorhalten“, sagt Heiner Kompenhans, geschäftsführender Partner bei Deloitte.

Andere sehen dies kritisch: „Sollte sich die Konzentration weiter fortsetzen, wird künftig noch stärker als bisher der Preis den Prüfungsmarkt bestimmen“, heißt es in einer Analyse der Münchener Gesellschaft Dr. Kleeberg & Partner. Der Preisdruck ist ohnehin hoch: Honorare für die Prüfung von Jahresabschlüssen - dem „Brot und Butter“-Geschäft -stagnierten auch im vorigen Jahr, bestätigt die Studie von Lünendonk. Daher haben viele Firmen längst andere, lukrativere Geschäftsbereiche ausgebaut: prüfungsnahe Dienstleistungen, Beratung und Bewertung von Firmen bei Übernahmen und Fusionen zählen dazu.

Die Dominanz der Großen geht keineswegs auf Kosten des Geschäfts mittelständischer Wirtschaftsprüfer, wie die Ergebnisse von Lünendonk zeigen. Im Gegenteil: Das durchschnittliche Wachstum der Firmen zwischen Platz vier und 25 des Rankings lag sogar leicht über dem der „Big Four“. Stärker als die zunehmende Marktkonzentration füchtet die Branche eine weiter zunehmende Reglementierung der eigenen Arbeit: Die gesetzlichen Vorschriften etwa für interne Kontrollen und für die Dokumentation haben stark zugenommen und sind von Land zu Land sehr verschieden. Probleme sieht die Branche zudem, weil schon jetzt der Bedarf an neuen Prüfern kaum zu decken ist. Die Fluktuation ist hoch, der Ausbildungsweg hart, die Konkurrenz zu Managementberatungen und Industriekonzernen wächst.

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