Marseille Kliniken AG
„Wir wollen das betreute Wohnen ausbauen“

Die Nachfrage nach institutionellen Pflegeeinrichtungen wächst. Auch der Pflegeheimbetreiber Marseille Kliniken AG setzt auf einen wachsenden Markt. Im Handelsblatt-Interview erklärt Axel Hölzer, Vorstandsvorsitzender der Marseille-Kliniken wie er trotz grassierender Altersarmut Geld mit der Pflege verdienen will.

Handelsblatt: Herr Hölzer, Marseille-Kliniken will in den nächsten Jahren den Bereich betreutes Wohnen für Senioren deutlich ausbauen. Wo bleibt das klassische Pflegeheim?

Hölzer: Das wird es auch weiterhin geben. In Deutschland gab es lange Zeit für pflegebedürftige Senioren eigentlich nur die Wahl zwischen der ambulanten Versorgung zu Hause und dem klassischen Pflegeheim. Wir wollen eine Möglichkeit dazwischen bieten und zwar für Senioren mit einer kleinen Rente. Denn die kleine Rente ist die Zukunft in Deutschland.

Die drohende Altersarmut als Stichwort.

Ja. Gerade in Ostdeutschland, wo sich die meisten unserer Standorte befinden, wurden viele Menschen nach der Wende arbeitslos oder wechselten von Minijob zu Minijob. Deren Renten werden künftig deutlich niedriger sein als heutige. Auch im Westen wird es Abstriche geben. Im Übrigen ist die Sozialhilfe schon heute bei 40 Prozent der stationär gepflegten Patienten mit von der Partie.

Und mit diesem Konzept des betreuten Wohnens lässt sich auch genug Geld verdienen?

Durchaus, weil wir ja beim betreuten Wohnen nicht die pauschal festgelegten Personalschlüssel eines stationären Heimes vorhalten müssen, sondern stärker bedarfsorientiert planen und folglich mit deutlich niedrigeren Personalkosten kalkulieren können. Diese Kostenvorteile können zu einem großen Teil an die Senioren und auch an das Sozialamt weitergegeben werden. Nach unseren Berechnungen beträgt der monatliche Eigenanteil bei Pflegestufe zwei 810 Euro beim betreuten Wohnen und 1 155 Euro bei der stationären Unterbringung. Das ist schon ein deutlicher Unterschied.

Im Pflegemarkt in Deutschland gibt es noch einen erheblichen Leerstand. Was macht Sie zuversichtlich, dass das betreute Wohnen auch ausgelastet sein wird?

Zunächst einmal gibt es die Überkapazitäten vor allem in Westdeutschland und wir sind stärker in Ostdeutschland präsent. Da schneidet Marseille-Kliniken mit einer Belegquote von mehr als 94 Prozent in Ostdeutschland besser ab als viele andere Marktteilnehmer. Die durchschnittliche Auslastung aller Pflegeeinrichtungen in Deutschland liegt bei 88 Prozent. Nicht zuletzt zeigen Umfragen, dass Menschen auch im Alter einen ausgesprochenen Wunsch nach Wohnen in Selbstständigkeit haben - auch wenn sie pflegebedürftig sind.

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