Maßnahmen greifen
Japan Airlines dämmt Verluste ein

Entlassungen und Einsparungen haben Früchte getragen: Die defizitäre Japan Airlines konnte die Verluste reduzieren, schreibt aber noch immer rote Zahlen. Auch wenn die Passagierzahlen steigen, ein Abbau von weiteren 700 Stellen ist bis Jahresende vorgesehen.

TOKIO. Japan Airlines (JAL) arbeitet sich sich den roten Zahlen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 fiel ein Nettoverlust von 4,3 Mrd. Yen (26 Mio. Euro) an, teilte die Fluggesellschaft gestern mit. Ein Jahr zuvor lag der Verlust noch über 26 Mrd. Yen. Für das Gesamtjahr bis Ende März 2008 erwartet das Unternehmen wieder einen kleinen Gewinn. Entlassungen, Verzicht auf unprofitable Strecken sowie Einsparungen bei EDV und Abwicklung sollen in den kommenden Quartalen die Wende bringen. JAL macht seit zwei Jahren Verlust.

Die Passagierzahl verringerte sich um drei Prozent, doch nach Darstellung des Unternehmens verbessert sich die Qualität der Buchungen. „Vor allem die Geschäftsreisenden kommen zurück“, sagte Finanzvorstand Yoshimasa Kanayama. Der Umsatz pro Fluggast habe sich in dem Maß erhöht, wie deren Anzahl gesunken sei. Die japanischen Touristen hätten weniger Lust zum Verreisen gehabt, weil der Yen schwach ist. Die Zahlen lägen jedoch voll im Erholungsplan. Mit internationalen Flüge habe JAL wieder Geld verdient, jetzt müsse das Heimatgeschäft nachziehen, was aber noch dauern könne.

Im Februar hatte die Fluggesellschaft dargelegt, wie sie wieder wettbewerbsfähig werden will. Volle acht Prozent der Mitarbeiter müssen das Unternehmen verlassen – durch Stellenabbau, aber auch durch Entlassungen. Dadurch will JAL 50 Mrd. Yen Personalkosten sparen. Bis 2010 soll sich die angeschlagene Airline auf diese Weise finanziell völlig erholt haben. Durch Verringerung der Streckenzahl, Verkauf von Flugzeugen und das Abstoßen von Tochtergesellschaft hat sich bei JAL nicht nur der Verlust verringert, auch der Umsatz sank um 1,5 Prozent auf 521 Mrd. Yen. Analysten sind mit dem Zwischenstand zufrieden, fordern aber eine konsequente Fortführung des Sparprogramms. „JAL hat noch einen weiten Weg vor sich“, sagt Matsushige Akino von Ichiyoshi Asset Management. „Weitere Kostensenkungen sind nötig.“

Seit April hat JAL 1 600 Mitarbeiter entlassen, bis Jahresende müssen weitere 700 gehen. Die Personalkosten sanken dadurch im Jahresvergleich um sieben Prozent. Der höchste Posten in den Ausgaben sind allerdings die Spritkosten – und der Preis für Kerosin steigt weiter. JAL verlangt daher einen höheren Treibstoffaufschlag von den Passagieren. Die Kerosinkosten lagen allein im abgelaufenen Quartal bei 98 Mrd. Yen.

Die einst staatliche JAL ist die älteste Fluggesellschaft des Landes und die größte in Asien. Doch seit Jahren muss sich die Traditionslinie vom kleineren Konkurrenten All Nippon Airways (ANA) vormachen lassen, wie eine Fluggesellschaft auch in Zeiten harter Konkurrenz und hoher Ölpreise Geld verdient. Vergangene Woche hat ANA eine Quartalsgewinn von 87 Mrd. Yen bekannt gegeben, in dem allerdings der Verkaufserlös für die firmeneigene Hotelkette enthalten war. ANA transportierte 5,6 Prozent mehr Passagiere als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen setzt schon länger auf möglichst einfache Strukturen.

Bei JAL lag der operative Verlust im abgelaufenen Quartal bei 8,5 Mrd. Yen, im Vorjahr waren es noch über dreißig Mrd. Yen. Das Frachtaufkommen stieg leicht.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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