Mastercard und Visa
Zerrieben zwischen den politischen Fronten

Unternehmen bekommen einen Vorgeschmack auf mögliche Auswirkungen eines anhaltenden Wirtschaftskrieges zwischen West und Ost. Kreditkartenunternehmen wie Visa und Mastercard könnten zwischen den Fronten zerrieben werden.
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New York„Russland wird nicht einfach werden“. Ajay Banga, CEO von Mastercard zeigte sich bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag trotz guter Zahlen betont zurückhaltend. Russland mache nur gut zwei Prozent des Umsatzes aus und wird nur geringe Auswirkungen auf das Finanzjahr 2014 haben, ist er überzeugt. Aber die Situation ist beunruhigend und langfristig nicht vorhersehbar.

Ohne die russische Drohkulisse wäre eigentlich alles gut. Der Umsatz im Quartal stieg um 14 Prozent auf 2,14 Milliarden Dollar. Als Nettogewinn blieben gesunde 870 Millionen Dollar. Der von einem gigantischen Datendiebstahl geplagte Handelsriese Target will mit Mastercard in Zukunft zusammenarbeiten und die Sicherheit der Karten erhöhen. Dagegen stand der Verlust eines Kreditkartenbestands bei J.P. Morgan.

Insgesamt werde deshalb das Wachstum im Jahr eher am unteren Ende der prognostizierten elf bis 14 Prozent liegen. Doch für die Börse reichte das aus, die Aktie lag am Donnerstag leicht im Plus. Aber wegdiskutieren will Banga die russische Problematik nicht. Die Sanktionen zeigten Wirkung und die kommende Gesetzgebung in Russland in Reaktion darauf sei „herausfordernd“ für die Kreditkartenindustrie und damit auch Mastercard.

Die einen beschließen halt Sanktionen, und die anderen baden sie aus. Was sich für amerikanische Bürger wie ein Ding der Unmöglichkeit anhört, könnte für die russische Oberschicht bald Realität sein. Ein Leben ohne Kreditkarten. Jedenfalls ohne Kreditkarten, die von einem ausländischen Unternehmen aus gegeben werden. Russlands Regierung hat am vergangenen Wochenende ein Gesetz mit weitreichenden Auswirkungen für amerikanische Kreditkarten-Dienste verabschiedet. Unter anderem müssen ausländische Anbieter ab 1. Juli eine Sicherheitsleistung in Höhe von zwei Tagesumsätzen bei der russischen Zentralbank hinterlegen.

Die beiden größten Anbieter, Visa und Mastercard, verarbeiten pro Tag im Schnitt Zahlungen über 1,9 Milliarden Dollar in Russland, müssen also zusammen 3,8 Milliarden Dollar aufbringen, um weiterhin dort Geschäfte machen zu dürfen. Die Einführung der Kaution ist eine direkte Folge der ersten Welle von US-Sanktionen gegen Russland nach der Annexion der Krim.

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  • »Ohne die russische Drohkulisse wäre eigentlich alles gut«.

    Was die USA-dominierte NATO seit geraumer Zeit veranstaltet nennt man in der Fußballsprache »Pressing«.

    Mal seh'n was Mutti an Befehlen vom lupenreinen Demokraten Obama mitbringt.

  • Gibt es keinen europäischen Kartenanbieter ?

  • Warum gibt es keinen europäischen Kreditkartenanbieter ?

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