„Matcha Latte“, „Detox“ oder „Hagebutte“?
It's teatime – wie Tee zum Lifestyle-Getränk wird

Im Winter schnellt der Tee-Absatz in die Höhe. Das liegt am Wetter, an guten Vorsätzen und guter Werbung. Bei allem Lifestyle haben die Hersteller aber die deutsche Vorliebe für „Hagebutte“ nicht verändern können.

DüsseldorfDer Regen peitscht gegen das Fenster, draußen ist es kalt und dunkel. Richtig ungemütlich. Jetzt wäre etwas zum Aufwärmen genau das Richtige. Das denken sich wohl auch die meisten Deutschen. Gerade in der kalten Jahreszeit greifen sie verstärkt zu Tee. Das bestätigt das Handelspanel des Marktforschungsunternehmens Nielsen für den Lebensmitteleinzelhandel und die Drogeriemärkte zwischen Oktober 2014 und September 2015.

Demzufolge steigt der Absatz von Tee ab Anfang Oktober rasant – mit Blick auf die letzten zwei Jahre um rund 54 Prozent. Seinen Höhepunkt findet der Teeverkauf jedoch im Januar: Die deutschen Verbraucher kauften alleine im Januar 2015 durchschnittlich rund 53,2 Millionen Packungen.

Ein Grund dafür: Laut Nielsen-Manager Michael Griess das Wetter in den kältesten Monaten des Jahres. Annemarie Leniger, Geschäftsführerin der Ostfriesischen Teegesellschaft (OTG), zu denen die Marken Meßmer oder Milford gehören, bestätigt diesen Trend, fügt aber noch ein entscheidendes Kriterium hinzu: „Der Januar ist ein sehr starker Monat für Kräutertees, weil die Menschen nach den Feiertagen oft mit guten Vorsätzen für die Ernährung ins neue Jahr starten.“ Deshalb gehörten auch so genannte Wohlfühltees wie „Meßmer Detox“ oder „Grüner Tee-Matcha“ zu den Top-Sellern im Januar.

Doch nicht nur im Winter: Generell erlebt das aromatische Heißgetränk bei den Deutschen Verbrauchern in den letzten Jahren eine Renaissance. Statistisch gesehen haben die Bundesbürger zwischen Oktober 2014 und September 2015 fast 27.000 Tonnen Tee aufgebrüht. Vor zehn Jahren waren es laut dem Deutschen Teeverband noch 700 Tonnen weniger. Damals war Tee alles andere als hip. Nichts zeigte das wohl so eindrücklich, wie der Werbespot für die Gebäckkugel Giotto. Angepriesen wurde sie als Gebäck zum Kaffee. Nur ein Ostfriese, Sinnbild des Deutschen Teetrinkers, wollte wissen, ob man die Kugel auch zum Tee genießen könne – mit den Worten: „Und was ist mit Tee?“

Doch das Image hat sich gewandelt. Längst sind dem Teeverband zufolge neben die klassischen Teetrinker junge, experimentierfreudige Verbraucher getreten. Der Trend zu einer gesünderen Lebensweise, aber auch die Geschmacksvielfalt und die vielen Spezialitäten machen Tee beliebter. So gibt es ihn als Mixgetränk, als Zutat in Lebensmitteln und Kosmetik. Tee-Tüftler schrecken auch vor der angestammten Kaffee-Domäne nicht zurück.

Ganz im Gegenteil: Getränke wie „Assam Shot“ als Alternative zum Espresso oder „Matcha Latte“ als Variante des Latte Macchiato sollen passionierte Kaffeetrinker zum Tee greifen lassen. 2012 sprang auch die einst reine Kaffeekette Starbucks auf den Trend auf und bietet inzwischen Tees an vom klassischen Earl Grey bis hin zum trendigen „Iced Shaked Green Tea“ für die heißen Tage.

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