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Barbie, oder: Blondinen heulen nicht

Als in Herzogenaurach die Tränen flossen bei dieser anderen Blondine namens Maria-Elisabeth Schaeffler, da war sie im fernen Amerika sicher schon voll und ganz mit ihren Geburtstagsvorbereitungen beschäftigt. Weinen ist eh nicht ihre Sache. Auch sie ist Unternehmerin, auch sie hat Krisen erlebt, und momentan geht es ihr nicht wirklich gut. Aber wenn sie etwas kann, dann Haltung bewahren. Und dafür, dass sie am Montag 50 wird, sieht sie verdammt gut aus. Alles Gute zum 50. Geburtstag, Barbie!

DÜSSELDORF. Bettina Dorfmann ist ihre Statthalterin. Dorfmann öffnet die Tür ihres Reihenhauses in Düsseldorf-Wersten: lange Haare, kurzer Pony, dazu blaue Augen. Auch sie ist blond, aber das sei reiner Zufall, sagt sie. Und dennoch wirkt es, als sei sie vom Schicksal auserwählt. Schließlich hat Dorfmann am 7. März Geburtstag - nur zwei Tage vor jener Blondine, um die es in dieser Geschichte, die von Standfestigkeit in Krisenzeiten handelt, hauptsächlich geht.

Und die im Leben von Dorfmann viel Platz einnimmt.

Bettina Dorfmann führt gleich hinauf, auf einer schmale Treppe geht es hoch, das Haus ist vollgestopft mit allerhand, das man nicht sofort identifizieren kann. Im 1. Stock, in einem Zimmer mit niedriger Decke, dann das Erwartete, das doch staunen macht. Verstaut in diversen Vitrinen, auf selbst gebastelten Drahtständern: Barbies, wohin das Auge auch blickt.

Über 6000 Ausgaben der bekanntesten Puppe der Welt, die am 9. März 50 Jahre alt wird, nennt Dorfmann ihr Eigen. Gut 1000 stecken in diesem Zimmer, weitere 1000 sind gerade auf Ausstellungsreise in China (wo Barbie-Hersteller Mattel mittlerweile fertigen lässt), die restlichen, sagt Dorfmann, zweifach eingetragen im Guiness-Buch der Rekorde, weilen irgendwo in Museen der heimischen Republik.

Eine routinierte menschliche Vertreterin der berühmtesten Puppe auf Erden, das ist Bettina Dorfmann. Kein durchgedrehter Fan. Die Frage allerdings, was die Welt denn lernen könnte von Barbie angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise, macht sie kurz sprachlos. Barbie sei stets ein Lernobjekt gewesen, sinniert Dorfmann. Aber eher für Alltagssituationen. "Wie habe ich mich anzuziehen, im Haus, im Büro, in der Freizeit? Das ist ja eine wichtige Sache."

So wichtig, dass bis heute eine Milliarde Modeartikel für Barbie und ihre Freunde produziert wurden. Selbst Karl Lagerfeld versuchte sich am kleinen Schwarzen. Die Boshaftigkeit der "Süddeutschen Zeitung", die Barbies Geburtstag in die Rubrik "Worauf wir verzichten können" verbannt hat, klingt da wie arrogante Selbstüberschätzung. Diese Frau ist Kern eines Imperiums mit 1,9 Milliarden Dollar Umsatz, sie wurde millionenfach verkauft, sie hat weltweit einen Bekanntheitsgrad von nahezu 100 Prozent.

Und lernen kann man schon von ihr, auch in der Krise. Wenn denn in Krisen viel Psychologie steckt, dann bräuchte es jetzt wohl eine wie sie.

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