Matthias Graf Lambsdorff
Der Graf setzt auf die Crowd

Matthias Graf Lambsdorff wird mit 62 zum Start-up-Unternehmer. Online sucht der Hamburger Geldgeber für seine Firma, die Knabbereien mit Logos von Fußball-Vereinen produziert. Nicht nur der HSV ist schon an Bord.
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HamburgFür Matthias Graf Lambsdorff beginnt eine etwas ruhigere Zeit: die Bundesliga-Sommerpause. Eine Zeit, um strategisch zu denken. Denn der Unternehmer hat große Pläne. Er will das klassische Fanartikel-Sortiment der Fußball-Vereine – Trikots, Fahnen, Toaster – ergänzen. Graf Lambsdorff bietet Snacks mit Vereinslogo an, etwa Chips und Weingummis.

Der Hamburger ist anders als sein verstorbener Onkel, der ehemalige Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, und sein Vetter, EU-Politiker Alexander Graf Lambsdorff, praktischer Unternehmer. Zwar kandidierte er vor einigen Jahren für die FDP bei der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft, aber seine Leidenschaft gilt dem Lebensmittelhandel. Deshalb treibt er mit 62 Jahren ein echtes Start-up voran – inklusive Investorensuche im Internet per Crowdfunding.

Denn er sieht eine echte Marktlücke: „Den Vereinen fehlt etwas, das sie regelmäßig verkaufen können, um die Fans an sich zu binden.“ Offenbar sehen das die Fußballer ähnlich. Nach zwei Jahren hat Graf Lambsdorff bereits Spitzen-Clubs wie Borussia Dortmund, Bayern München und den 1. FC Köln dabei. Die Vereine bestätigen die Partnerschaft. Startkunde war der Hamburger Sportverein (HSV). Lambsdorff entwickelte das Konzept für seine Firma Food4Fans zusammen mit den HSV-Managern. Überzeugt habe die Möglichkeit, mit einem breiten Snack-Sortiment auch außerhalb der eigenen Shops vertreten zu sein, sagt HSV-Merchandising-Chef Timo Kraus auf Anfrage: „Die Snacks verkaufen sich gut – sowohl in unseren Fanshops als auch im Lebensmittelhandel.“

„Die Vereine kommen mit ihren Logos an Orte, an denen sie bislang nur selten waren: in Supermärkte und Tankstellen“, sagt Graf Lambsdorff. Er wiederum kommt durch die Lizenzvereinbarungen an wertvolle Marken, die seine zugekauften Snacks für die Verbraucher überhaupt erst begehrlich machen – zumindest bei größeren Vereinen. Clubs mit weniger Fans bietet er an, Ware mit Logo direkt zu kaufen – für Fanshops oder zum Verteilen im Stadion.

Künftig sollen noch weitere Felder dazukommen. Lambsdorff zeigt Weingummi in Form des Logos der Band Rammstein oder des Ottifanten von Otto Waalkes. Für die Expansion wirbt er derzeit um Geld auf einer Crowdfunding-Plattform. Sein Ziel ist dabei aber nicht nur, bis zu 200.000 Euro Eigenkapital aufzutreiben. „Ich verspreche mir davon einen PR-Effekt. Außerdem stellen die potenziellen Kleininvestoren Fragen, die uns voranbringen“, sagt Lambsdorff. Bislang hat er zwei Geschäftspartner und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein an Bord. 2014 kam Food4Fans auf 400.000 Euro Umsatz, 2015 soll er sich auf 1,2 Millionen Euro verdreifachen.

Erfahrung im Lebensmittel-Bereich bringt Lambsdorff mit. Er betreibt mehrere Jacques‘-Weindepot-Läden in Hamburg, verpachtet ein Restaurant. Außerdem vertreibt er Schokolade unter der eigenen Marke Lago. Nur: Die bekannt zu machen und somit erfolgreich, wäre teuer. Die Snacks mit dem Fußball-Logo sind hingegen ein Selbstläufer – wenn die Leistung der Fußballer stimmt. Die miese Saison des HSV hat dort die Nachfrage zurückgehen lassen. Anders ist das beim Lokalrivalen St.Pauli, der ebenfalls zu Lambsdorffs Kunden zählt. „Die Marke St. Pauli ist inzwischen ein vom Fußball losgelöstes Lebensgefühl“, sagt Lambsdorff.

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