Maut-Betreiber müht sich um schnelleren Einbau der Bordcomputer
Spediteure geben Lkw-Maut weiter

Die Branche erwartet, dass die Maut die Belastung um 10 Prozent steigen lässt. Die Kosten werden an die Kunden durchgereicht.

DÜSSELDORF. Die deutschen Spediteure wollen die geplante LKW-Maut von 12,4 Cent/km wie eine Verbrauchsteuer an ihre Kunden weitergeben. Das hat eine Umfrage des Handelsblatts ergeben. Der Branchenprimus Deutsche Post hat bereits angekündigt, die Kosten der Maut an seine Geschäftskunden weiterzureichen. Dazu wird die Pakettochter DHL einen Mautzuschlag von 8 Cent pro Sendung erheben. Im Speditionsgeschäft will die Posttochter Danzas den Kunden die auf die jeweiligen Transporte entfallende Maut gesondert in Rechnung stellen. „Der Zuschlag wird aber erst erhoben, wenn die Maut kommt“, sagte eine Post-Sprecherin angesichts einer möglichen Termin- Verschiebung.

Die Entscheidung des Marktführers ist ein Signal für die Branche, die trotz aller Vorbehalte fest mit der Maut rechnet. „In der Transport- und Logistikbranche herrscht Einigkeit, dass die Mautkosten vollständig an die Auftraggeber aus Industrie und Handel weiter berechnet werden müssen“, sagt Thomas Held, Vorstandschef des Bahn-Spediteurs Schenker. Insgesamt sehe sich die Branche mit einer Mehrbelastung von bis zu 10 % der Verkehrskosten konfrontiert. Bei einer durchschnittlichen Umsatzrendite im Speditionsgewerbe von 1 bis 2 %, sei klar, dass die Umlage der Maut für viele Unternehmen lebensnotwendig ist. „Wir werden die Maut eins zu eins an die Kunden weitergeben“, sagt auch ein Sprecher des Paketdienstes UPS. Auch die Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo will die Mautgebühr für LKW-Fahrten direkt an ihre Kunden weitergeben. „Wir gehen davon aus, dass wir die höheren Transportkosten komplett abwälzen können“, sagt Finanzvorstand Heinz-Ludger Heuberg.

Weil sie keine eigenen Fuhrparks betreiben, sind viele der großen Logistikkonzerne nur mittelbar von der Maut betroffen. Sie arbeiten im Straßengüterverkehr mit Subunternehmen zusammen. Transportmanager Markus Todt von Kühne & Nagel erwartet aber einen „allgemeinen Ratenanstieg“. Wenn Transportbetriebe wegen der Maut das Handtuch werfen müssen, droht auch den Logistikern Schaden, denn dann brechen die ausgeklügelten Logistikketten ihre Kunden zusammen.

Ungeklärt ist die Frage, inwieweit Spediteure die Maut-Zusatzkosten weitergeben können. Die entstehen durch Vorfinanzierung, zusätzlichen Verwaltungsaufwand und vor allem mautpflichtige Leerkilometer.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) erwartet keine negativen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland durch die geplante Weitergabe der Maut. Ein Becher Joghurt werde nach Berechnungen seines Ministeriums durch die Maut um 0,4 Cent teurer, ein Kilo Bananen um 1,2 Cent. Der Einfluss der LKW-Maut auf das Preisniveau sei zu vernachlässigen, meint das Stolpe-Ministerium.

Unterdessen müht sich der Maut-Betreiber Toll Collect fieberhaft, den Rückstand beim Einbau der Bordcomputer zur automatischen Mauterfassung aufzuholen. Zurzeit würden täglich 6 000 Geräte ausgeliefert, sagt Geschäftsführer Michael Rummel. Bis Ende August sollen 150 000 Geräte eingebaut sein. Experten von Toll Collect und des Verkehrsministeriums gehen aber davon aus, dass für den reibungslosen Maut-Betrieb 400 000 Geräte nötig sind.

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) warnte vor langen Staus, wenn viele Lkw-Fahrer die Maut manuell bezahlen müssten. Von den dafür vorgesehenen 3 500 Terminals an Tankstellen und Grenzübergängen sind nach Angaben des Verkehrsministeriums erst ein Drittel betriebsbereit. Nach Informationen des Handelsblatts können die Terminals erst in der zweiten Augusthälfte in das Gesamtsystem integriert werden. Doch bereits Mitte August soll ein unabhängiger Gutachter feststellen, ob das Mautsystem voll funktionsfähig ist und ob ihm die vorläufige Betriebserlaubnis gewährt werden kann.

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