Maut-Start ab Januar
Toll Collect sehr zuversichtlich

Lkw-Maut-Betreiber Toll Collect rechnet nun fest mit dem zuletzt vereinbarten Start ab Januar. Toll-Collect-Chef Christoph Bellmer räumte ein, das Unternehmen habe bis dahin dann deutlich über eine Milliarde Euro investieren müssen.

HB BERLIN. „Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass wir im Januar nicht starten“, sagte Bellmer am Donnerstagabend in Berlin. Er sei jetzt ungleich optimistischer als noch vor drei Monaten. Grund sei ein erfolgreicher Massentest über 24 Stunden des satellitengestützten Maut-Erfassungssystems. Ab Anfang Oktober läuft die achtwöchige Generalprobe mit rund 5 000 Fahrzeugen. An deren Ende soll ein Gutachten stehen, dass Grundlage für eine Betriebserlaubnis sein soll. Eigentlich sollte diese bereits im August 2003 erteilt werden. Wegen massiver technischer Probleme wurde nach monatelangen Verhandlungen der Starttermin auf Januar 2005 verlegt. Bellmer forderte die Spediteure auf, jetzt die Bordcomputer für die Erfassung zu bestellen und einbauen zu lassen. Die Geräte stünden zur Verfügung, würden aber nur schleppend abgerufen.

Während die beiden großen Toll-Collect-Muttergesellschaften Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom sowie die französische Cofiroute bei Vertragsschluss 2002 mit Investitionen von rund 500 Mill. € gerechnet hatten, haben sich die Kosten unter anderem durch die Verzögerung mehr als verdoppelt. Bellmer sprach von Investitionen von „weit über einer Milliarde Euro“. Zudem sind dem Konsortium monatlich Einnahmen von etwa 50 Mill. € entgangen. Die Telekom hatte erklärt, sie werde mit der Maut-Erfassung während der Vertragslaufzeit von zwölf Jahren nun kein Geld mehr verdienen. Der Bund musste wegen der Verspätung auf etwa drei Mrd. € für den Bau von Straßen und Schienen verzichten, wovon nur etwa 180 Mill. € durch Strafzahlungen ausgeglichen werden. Allerdings will der Bund Entschädigungen von rund 3,7 Mrd. € gegen Toll Collect vor einem Schiedsgericht durchsetzen.

Bellmer hatte sich noch vor Monaten vorsichtig zum Maut-Start geäußert und darauf hingewiesen, dass es in dem engen Zeitplan zu keinen größeren Problemen kommen dürfe. Jetzt betonte der Toll-Collect-Chef, der sein Amt im März angetreten hatte: „Wir sind genau dort, wo wir vor drei Monaten sein wollten.“ Bei dem Massentest hätten hunderte Hilfskräfte über 24 Stunden über stationäre Terminals, das Internet und auch über Bordcomputer von Lastwagen Strecken eingegeben. Diese seien dann nochmal technisch vervielfacht worden. Im Beisein des unabhängigen Gutachters sei der Versuch fast ohne Probleme verlaufen: „Die Quote ist ganz nahe an 100 %.“

Sorge bereite ihm, dass bis jetzt erst 45 000 der Bordcomputer (OBU) eingebaut wurden. 100 000 weitere seien von den Speditionen bestellt. Allerdings sollten bis Jahresende möglichst 450 000 eingebaut sein. Derzeit gebe es monatlich aber nur rund 3 000 Bestellungen. „Wir bräuchten jedoch eigentlich das zehnfache.“ Das System sei zwar auch so funktionsfähig, allerdings würde eine Maut-Erfassung vor allem über Terminals an Raststätten vor allem wegen der begrenzten Parkplatzzahl schwierig. Offenbar gebe es bei einigen Fuhrunternehmen noch Zweifel an dem Maut-Start im Januar, so dass diese zögerten.

Bellmer räumte ein, es habe in den vergangenen Monaten einige Probleme bei der Obu-Einstellung gegeben. Diese seien aber beseitigt, die Geräte würden pünktlich ausgeliefert. Die Bordcomputer richten sich nach Achszahl und Schadstoffausstoß, wonach die Maut berechnet wird. Im Schnitt soll sie 12,4 Cent pro Kilometer für Lastwagen über zwölf Tonnen betragen.

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