McDonalds und der Arbeitsschutz: Die heilende Wirkung von Mayonnaise

McDonalds und der Arbeitsschutz
Die heilende Wirkung von Mayonnaise

In den USA droht der Fast-Food-Kette McDonalds der nächste herbe Schlag fürs Image. Angestellte legten Beschwerde ein aufgrund schwerer Verletzungen. Vorgesetzte würden nur bedingt helfen – mit fragwürdigen Ratschlägen.
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DüsseldorfFast 170 Grad Celsius hat der Mix aus Pflanzenölen, der in den Fritteusen von McDonalds sprudelt. Auf den Hamburgergrills brutzelt heißes Fett, auch die Backöfen für Kekse können ziemlich heiß werden. Weil sie sich während der Arbeit verbrannt hätten, legten nun 48 Angestellte der weltweit größten Imbisskette Beschwerde bei der US-Arbeitssicherheitsbehörde ein.

Verbrennungen sind die häufigste Verletzung bei Mitarbeitern von Fast-Food-Restaurants. 79 Prozent der Angestellten haben sich im vergangenen Jahr in den USA auf die Art verletzt, die meisten sogar mehrmals, besagt eine Umfrage des Forschungsunternehmens Hart Research Associates zur Sicherheit von Arbeitsplätzen in der Fast-Food-Branche. Besondere Gefahr lauere laut der Umfrage beim Saubermachen der Fritteuse. Mehr als die Hälfte aller Verbrennungen im vergangenen Jahr seien dadurch passiert. Die Schwere der Verletzungen wird in der Studie nicht beschrieben.

Die McDonalds-Mitarbeiter kritisieren insbesondere, dass sie im Umgang mit heißem Öl und Fett nicht richtig geschult werden und die richtige Ausrüstung fehle, einfache Dinge wie Schürzen zum Beispiel. Nur Latexhandschuhe werden eingesetzt, sagen die Angestellten. Das schütze zwar die Lebensmittel, nicht aber die Personen, die sie zubereiten. Es fehle Personal, außerdem würden Manager zur Eile antreiben. So müssten Grills geputzt werden, wenn sie noch heiß sind, weil das Abkühlen zu lange dauere.

Vielleicht noch schlimmer: Vorgesetzte zeige gemäß Studie wenig Mitgefühl, wenn sich ein Mitarbeiter verletzt. Auch ihre Hilfestellungen ließen zu Wünschen übrig. Ein Angestellter der Fast-Food-Kette in Philadelphia berichtete, dass seine Chefin ihm empfohlen habe, seine Verbrennung am Arm mit Mayonnaise zu kühlen. Eigentlich hatte er nach Wundcreme gefragt. Der Betreiber des betreffenden Restaurants wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht zu den Vorwürfen äußern.

Das Unternehmen selbst weist die Vorwürfe zurück. „McDonalds und die unabhängigen Franchisenehmer verpflichten sich dazu, sichere Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter in den 14.000 McDonalds-Restaurants in den USA zu bieten“, so das offizielle Statement. „Wir werden die Anschuldigungen überprüfen. Es ist wichtig, festzustellen, dass diese Beschwerden Teil einer von Aktivisten gesteuerten großangelegten Strategie sind, die auf unsere Marke abzielt und dazu entworfen wurde, mediale Berichterstattung zu erzeugen.“

In der gesamten Fast-Food-Branche passieren überdurchschnittlich viele Verletzungen im Vergleich zu anderen Industrien, das Statistikamt des amerikanischen Arbeitsministeriums berichtet von 3,5 Verletzungen bei 100 Vollzeitarbeitskräften für das Jahr 2013. Der landesweite Durchschnitt für alle Branchen liege bei 3,3. Der tatsächliche Wert könnte aber noch höher liegen, da nur Verletzungsfälle registriert werden, die auch gemeldet wurden.

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Von Gammelfleisch und Imageverlust

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