McKinsey-Studie
Boom der Billigflieger schwächt sich ab

Die seit Jahren stark expandierenden Billigfluggesellschaften stoßen einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge schon früher an Grenzen als bisher von Experten angenommen.

HB FRANKFURT. Zwar sei das von Ryanair-Chef Michael O'Leary bereits für dieses Jahr vorhergesagte "Blutbad" ausgeblieben. Dennoch führten das deutlich schwächere Wachstum, enorme Überkapazitäten und die Gegenwehr der etablierten Fluggesellschaften zu einem Verdrängungswettbewerb, den nur wenige Billiganbieter überleben würden, sagte der Autor der Studie, Lucio Pompeo, am Donnerstag in Frankfurt.

"Die Zeiten der weitgehend konkurrenzlosen Expansion der Billigflieger durch Marktstimulation ist vorbei", sagte Pompeo. Bis 2010 werde die jährliche Wachstumsrate der Billigflugbranche von heute 15 Prozent auf elf Prozent sinken. Andere Experten und Billigfluglinien hatten bisher bis 2010 noch 20 bis 30 Prozent Zuwachs für möglich gehalten.

"Es wird zunehmend schwieriger, neue Kunden zu gewinnen“, sagte Pompeo. Die Geschäftsmodelle vieler Billiganbieter seien aber auf einen stark wachsenden Markt ausgerichtet. Ohne die einstigen Steigerungsraten von mehr als 50 Prozent reichten die Kostenvorteile der Billigflieger gegenüber klassischen Anbietern nicht aus, um profitabel arbeiten zu können, heißt es in der Studie. Europaweit sei nur Platz für zwei oder drei Billiganbieter. Daneben hätten noch einige eher regional operierende Fluggesellschaften Überlebenschancen.

Die schon jetzt von vielen Luftfahrtmanagern beklagten Überkapazitäten in Europa dürften noch erheblich zunehmen. Allein die drei größten Billigflugunternehmen in Europa - Ryanair, Easyjet und Air Berlin - hätten bis zum Jahr 2012 zusammen 300 Flugzeuge für Mittelstrecken bestellt und Optionen auf 350 weitere Maschinen. Pompeo weist darauf hin, dass die Erträge pro Passagier bei den Billigfliegern schon seit mehreren Jahren sinken. Signifikante Gewinne würden fast ausschließlich die beiden Marktführer Ryanair und Easyjet erzielen. Viele andere machten bisher Verluste.

Um zu überleben, müssten Billigflieger ihre Strategien ändern, ihr Angebot ausweiten und differenzieren, also unterschiedliche Flugzeugtypen und Services anbieten. Eine andere Möglichkeit seien auch zusätzliche Dienste wie Autovermietung, Versicherungs- oder Mobilfunkangebote. Ryanair erziele bereits 16 Prozent seiner Umsätze mit Nebengeschäften.

Auch viele etablierte Fluggesellschaften gerieten durch den Erfolg der Billiganbieter in Schwierigkeiten. Doch die großen Konzerne würden nicht so schnell untergehen. Der betroffene Staat habe aus Prestigegründen und wegen der Arbeitsplätze ein großes Interesse am Erhalt "seiner" Fluggesellschaft.

Eine Übertragung des Billigflugkonzepts auf Langstreckenflüge hält der Luftfahrtexperte nur für einige wenige Strecken mit hohen Passagierzahlen für möglich. "Wenn Sie ein Netz von Zubringerflügen brauchen, um eine große Langstreckenmaschine zu füllen, wird das ganze zu teuer".

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