Medco zielt auf deutschen Arzneimittelmarkt
Der Schrecken des Apothekers

Der US-Pharmahändler Medco will Deutschlands Arzneimarkt aufmischen. Bisher hindert ihn das deutsche Rechtssystem. Doch die EU wird das wohl bald ändern.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Es ist nicht die Marke Medco, die ist hierzulande allenfalls Pharma-Experten ein Begriff. Es sind die nackten Zahlen, vor denen sich Deutschlands Apotheker fürchten: 45 Mrd. Dollar Umsatz, fast 25 Mrd. Dollar Börsenwert, 20 000 Mitarbeiter, davon 2 000 Apotheker. Damit ist der US-Konzern Medco Health Solutions Marktführer seiner Branche, eine Art Wal-Mart des Pharmahandels.

Bisher kämpfen Deutschlands Apotheker mit Nischenanbietern wie der Versandapotheke Doc Morris. Bald aber könnten sie sich einem "weißen Riesen" gegenüber sehen, der gezielt in Deutschland expandiert, dem nach Medco-Lesart "am schnellsten wachsenden Pharma-Servicemarkt Europas". Um nicht vorzeitig ein Feindbild für die aufgeschreckte Apotheker-Landschaft abzugeben, müht sich der Konzern aus New Jersey darum, den Ball flach zu halten. Doch seitdem die Amerikaner mit der Mehrheitsübernahme des Versenders Europa Apotheek in Deutschland Fuß gefasst haben, ist die Angst groß.

"Medco ist mit nichts zu vergleichen, was es in Europa gibt", sagt Thomas Bellartz. Der Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA), der das Geschäft des Pharma-Vertriebsgiganten in den USA persönlich in Augenschein genommen hat, befürchtet nach dem Markteintritt von Medco eine Amerikanisierung der deutschen Apothekenlandschaft. Jenseits des Atlantiks - für Deutschlands Arzneimittelverkäufer ein Horrorszenario - ist das Geschäft mit Pillen, Zäpfchen und Pflastern längst fest in der Hand großer Ketten.

Noch verhindert in Deutschland der Gesetzgeber solche Zustände. Nicht mehr als vier Filialen dürfen Deutschlands Apotheker besitzen, Kapitalgesellschaften ist zudem der Einzelhandel mit Arzneimitteln grundsätzlich untersagt. Womöglich aber schon zum Jahresende könnte sich das gravierend ändern. Das so genannte Fremdbesitzverbot wird derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verhandelt, das Mehrbesitzverbot hat sich die EU-Kommission vorgenommen. Dass eine dieser beiden Bestimmungen überlebt, halten Fachleute für unwahrscheinlich.

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