Media Markt und Saturn
Mein Verkäufer, der Roboter

Fast hätten Media Markt und Saturn das Internet-Zeitalter verschlafen. Doch künftig wollen die Elektronikketten ihre Kunden mit humanoiden Robotern und virtuellen Welten locken. Und das Wissen von Start-ups für sich nutzen.
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IngolstadtAls Twix noch Raider hieß und der Schoko-Kuss als Mohrenkopf verunglimpft wurde, im ausgehenden 20. Jahrhundert also, da waren die Filialen von Media Markt und Saturn der Sehnsuchtsort der deutschen Jugend. Die Heimstatt des Walkman zog die Käufer an wie ein Freibad die Schweißgeplagten an einem heißen Sommertag. Doch als das neue Jahrtausend gerade die ersten zehn Jahre hinter sich gebracht hatte, da war es vorbei mit dem Sturm auf die Läden. So wie die Ingolstädter 20 Jahre zuvor mit ihren Mega-Märkten den Handel aufgemischt hatten, so drängten jetzt aggressive Online-Händler wie Amazon und Ebay ins Geschäft.

Wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt, strampelte und zappelte die Elektronikkette, und kam doch nicht wieder auf die Beine. Die Strategen in Oberbayern versuchten, auf Gedeih und Verderb ihr Filialkonzept zu verteidigen. Die Angreifer aus dem Netz wollten aber einfach nicht wieder verschwinden.

Es musste das Jahr 2015 kommen, bis dem Chef von Media-Saturn ein solcher Satz entfuhr: „Digital ist unser Freund“, sagte Pieter Haas diesen Dienstag in der Ingolstädter Zentrale. Der Niederländer zog ein ernüchterndes Fazit der vergangenen Jahre: „Wir haben lange den Kopf in den Sand gesteckt und das Digitale als eine Bedrohung gesehen.“

Doch damit soll es jetzt endgültig vorbei sein. Media-Saturn dreht in der virtuellen Welt voll auf. Am Dienstag gewährte die Tochter des Handelskonzerns Metro Mitarbeitern aus ganz Europa sowie ausgewählten Reportern einen Einblick in die bislang geheimen Pläne. Schon im Advent werden die Kunden in zwei Saturn-Märkten in Ingolstadt und am Berliner Alexanderplatz in künstliche Welten abtauchen. Mit Hilfe einer Computerbrille können sich die Konsumenten mitten in eine neue Küche beamen, dürfen virtuell Backofen und Geschirrspülmaschine öffnen, die Farben wechseln und in die Schubladen spicken.

Bewährt sich das Konzept, so wird es erweitert auf andere Wohnbereiche und in den 1000 Läden der zwei Marken vielleicht bald zum Standard gehören. „Wir probieren viel“, betont Martin Wild, der Chief Digital Officer der Gruppe. Nicht alle Versuche werden erfolgreich sein, meint der Manager: „Ein paar Ideen werden vielleicht wieder beendet.“ Ob die Roboter langfristig überleben, die demnächst die Kunden in den Filialen begrüßen sollen? Mannshoch oder klein wie ein Pudel, Media-Saturn erprobt derzeit verschiedene Maschinen. Die Humanoiden sollen die Kunden durch den Laden leiten, Fragen beantworten – oder einfach nur unterhalten.

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Mini-Filialen fürs vernetzte Leben

Kommentare zu " Media Markt und Saturn: Mein Verkäufer, der Roboter"

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  • Koch kriegt die Kurve:
    Sie wollen Roboter?
    Gerne, können Sie bei uns kaufen.
    Humanoide Beratung gerne gegen Aufpreis.
    Man möchte ihm die Daumen drücken, damit aus der dann ggf humanoiden Beratung nicht doch wieder unglücklich programmierte Roboterberatung wird.

  • Kurzer Kommentar zum nicht kommentierbaren Artikel "Zieht Sehofer alle CSU- Minister aus Berlin ab?"

    Seehofer wird nichts anderes übrig bleiben, wenn Merkel stur bleibt und gedenkt eine "Frau ohne Obergrenzen" zu bleiben und eine Grenzsicherung weiterhin ablehnt.

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