Media Saturn
Mit dem Spacelab ins Start-up-Universum

Vier Start-ups, eine alte Fabriketage: Media Saturn fördert in München seit einigen Wochen junge Dienstleister. Das ist für Europas größten Elektronikhändler mindestens so wichtig wie für die Firmengründer.

MünchenDie europäische Raumfahrtbehörde ESA hat ihr Spacelab vor fast 20 Jahren eingemottet. Media Saturn lässt zumindest den Namen jetzt wiederauferstehen – nicht in Cape Canaveral, sondern in der Münchener Lothstraße. In einem alten Fabrikgebäude hat die Elektronikkette das Gründerzentrum Spacelab eingerichtet und nimmt dort Start-ups unter ihre Fittiche. So will sich die Metro-Tochter selbst in eine neue Dimension katapultieren.

Zwei Münchener können dem Handelsriesen womöglich bei der schwierigen Reise helfen: Lutz Küderli und Stefan Gersmann. Sie sind die Gründer von Expertiger, eines von vier Start-ups, das jüngst für 20 Wochen ins Spacelab eingezogen ist. Das Geschäftsmodell ist einfach: Wer Schwierigkeiten mit seinem Rechner zuhause hat, der ruft bei Expertiger an und wird mit einem IT-Experten verbunden. Der greift dann per Fernwartung auf den Computer zu. Die Spezialisten sind freie Mitarbeiter, die je nach Zeit und Lust zur Verfügung stehen. Die ehemaligen Unternehmensberater Küderli und Gersmann haben dafür eine Internetplattform entwickelt, die Kunden und die sogenannten Freelancer zusammen bringt.

Eine gute Idee, doch wie erfahren die Verbraucher von dem Service? Da kommt Media Saturn ins Spiel. Für die zwei Jungunternehmer ist der Zugang zum Filialnetz von Media Saturn und den Online-Shops wie ein Sechser im Lotto. So leicht kommen Start-ups normalerweise nicht an so viele Kunden.

Doch der Handelsriese öffnet sich natürlich nicht ohne Hintergedanken. „Für uns ist das ein weiterer Baustein der Digitalisierungsstrategie und Teil des kulturellen Wandels“, erklärt Martin Sinner, der das Internet-Geschäft von Media Saturn verantwortet und das Spacelab ins Leben gerufen hat.

Keine Frage, Media Saturn hat Nachholbedarf. Im ausgehenden 20. Jahrhundert waren die Filialen von Media Markt und Saturn der Sehnsuchtsort der deutschen Jugend. Die Heimstatt des Walkman zog die Käufer massenhaft an. Doch im neuen Jahrtausend war es bald vorbei mit dem Sturm auf die Läden. So wie die Ingolstädter 20 Jahre zuvor mit ihren Mega-Märkten den Handel aufgemischt hatten, so drängten jetzt aggressive Online-Händler wie Amazon und Ebay ins Geschäft.

Die Strategen in Ingolstadt versuchten jahrelang auf Gedeih und Verderb ihr Filialkonzept zu verteidigen. Die Angreifer aus dem Netz wollten aber einfach nicht wieder verschwinden. „Wir haben lange den Kopf in den Sand gesteckt und das Digitale als eine Bedrohung gesehen“, gibt sich Media-Saturn-Chef Pieter Haas selbstkritisch.

Mit Initiativen wie dem Spacelab versucht der Konzern inzwischen neue Geschäftsfelder zu erschließen und Trends schnell zu erkennen. „Wenn es gut läuft, dann stoßen wir früher auf interessante Firmen als die Konkurrenz“, meint Manager Sinner. Und nicht nur das: „Wir reduzieren das Risiko, unpassende Unternehmen zu kaufen.“

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„Abgerechnet wird in fünf Jahren“

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