Medienbericht
Arcandor kann auf Staatsgelder hoffen

Einem Medienbericht zufolge kann der insolvente Handels- und Touristikkonzern Arcandor doch noch auf staatliche Hilfe hoffen – allerdings nur, um damit den laufenden Betrieb zu sichern. Unterdessen dementierte Metro einen Bericht, nach dem der Handelskonzern einen KfW-Kredit für die Übernahme der Karstadt-Warenhäuser anstrebe.

HB BERLIN/FRANKFURT. Die Bundesregierung sei bereit, einen Antrag von Arcandor auf einen sogenannten Massekredit wohlwollend zu prüfen und, wenn möglich, auch zu gewähren, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Verweis auf das Bundeswirtschaftsministerium. Ein Antrag läge aber noch nicht vor. "Grundsätzlich besteht die Möglichkeit der Gewährung eines Massekredits, wenn die Prüfung eines entsprechenden Antrags positiv ausfällt", sagte ein Ministeriumssprecher am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, es gebe grundsätzlich die Möglichkeit eines solchen Massekredits. Weiter wollte er sich nicht äußern.

Ein Massekredit ist ein kurzfristig zur Verfügung gestellter Kredit an insolvente oder kurz vor der Insolvenz stehende Unternehmen. Er wird vorrangig vor allen anderen Forderungen aus der Insolvenzmasse bedient.

In der Vergangenheit hat zum Beispiel die Drogeriekette "Ihr Platz" kurz nach der Insolvenz einen Massekredit erhalten, um Ladenmieten weiter bezahlen zu können.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte vergangene Tage Staatshilfen für Arcandor im laufenden Insolvenzverfahren als möglich bezeichnet. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch im weiteren Verfahren noch der Ruf nach Staatshilfe kommt. Das wäre nicht außergewöhnlich und war bei anderen größeren Insolvenzen schon der Fall“, sagte der CSU-Politiker dem Handelsblatt am Freitag.

Die Metro-Gruppe hat unterdessen einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach sie für die Übernahme von Karstadt-Häusern des insolventen Arcandor-Konzerns einen KfW-Kredit über 200 Mio. Euro anstrebt. "Das entspricht nicht den Tatsachen", sagte ein Metro-Sprecher am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Bei unseren Planungen spielen Staatshilfen keine Rolle."

Die "Börsen-Zeitung" hatte berichtet, der Metro-Konzern habe in seinem der Regierung vorgelegten Konzept für eine Deutsche Warenhaus AG auch einen Kreditantrag an die KfW von "reichlich 200 Mio. Euro" als wichtigen Bestandteil aufgeführt. Das Blatt berief sich dabei auf Berliner Regierungskreise.

Die Metro will etwa 60 der knapp 90 Karstadt-Standorte übernehmen und mit ihren eigenen Kaufhof-Filialen eine Warenhaus-Allianz schmieden. Arcandor hatte am Dienstag Insolvenzantrag gestellt, nachdem die Regierung Staatshilfen verweigert hatte. Zuletzt betonte Konzernchef Karl-Gerhard Eick, Arcandor werde zwar weiter mit dem Rivalen Metro sprechen, aber auch mit anderen Interessenten.

Laut einem Vorabbericht des Magazins "Focus" will Metro den Druck auf Arcandor verstärken. Der Konzern wolle mit allen Beteiligten des Arcandor-Insolvenzverfahrens reden. Zudem wolle Metro-Chef Eckhard Cordes in Berlin mit Bauminister Wolfgang Tiefensee zusammenkommen und dabei nochmals für seinen Plan einer Kaufhaus-Ehe werben. Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass am Mittwoch das Treffen geplant sei, wollte sich zu Inhalten aber nicht äußern. Tiefensee hatte vor einer Verödung der Innenstädte gewarnt, sollten die Karstadt-Kaufhäuser schließen müssen.

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