Medienbericht
Schwere Vorwürfe gegen Anton Schlecker

Der Gründer der Drogeriemarktkette Schlecker soll einem Medienbericht zufolge schon 2009 die Pleitegefahr erkannt haben. Der Unternehmer habe damals schon Teile seines Vermögens an die Familie übertragen.
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StuttgartDie Staatsanwaltschaft wirft Drogerieunternehmer Anton Schlecker laut einem „Spiegel“-Bericht vor, schon Jahre vor der Insolvenz Teile seines Vermögens in Sicherheit gebracht zu haben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf den Durchsuchungsbeschluss gegen Schlecker.

Schon als die Umsätze 2008 und 2009 dramatisch einbrachen, habe der 67-Jährige erkannt, „dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens drohte“. Von dieser Zeit an hätten „verdächtige unentgeltliche Vermögensübertragungen auf Familienangehörige“ begonnen, zitierte der „Spiegel“ aus dem Beschluss.

Als Beispiel werde unter anderem die Übertragung des Familienanwesens in Ehingen im Wert von angeblich 20 Millionen Euro genannt. Außerdem habe Schlecker seiner Frau ein nach Ansicht der Stuttgarter Staatsanwaltschaft überhöhtes Gehalt von 60.000 Euro im Monat bezahlt. Dies sei "angesichts der Ertragssituation nicht angemessen" gewesen.

Die Angaben decken sich mit früheren Recherchen des „Handelsblatts“. Demnach haben Grundbuchauszüge und Schenkungsverträge belegt, dass Anton Schlecker am 26.  Juni 2009 mit seiner Frau bei einem Notar in Ulm erschien, um ihr das 13.000-Quadratmeter-Anwesen in einem Ehinger Neubaugebiet zu übertragen. 2009 war bereits das vierte Jahr hintereinander, in dem Schlecker rote Zahlen schrieb. Die Krise wurde immer größer.

Nur vier Monate vor der Insolvenz bekam Sohn Lars die Hälfte eines 11.413 Quadratmeter großen Grundstücks, die andere Hälfte ging bereits zuvor an seine Schwester Meike. Wenige Tage vor der Insolvenz verkaufte Schlecker das Zentrallager Österreich für nur 2,5 Millionen Euro an seine Kinder - deutlich unter Wert

Der Durchsuchungsbeschluss war die Grundlage dafür, dass Ermittler vor einem Monat mehr als 20 Wohnungen und Geschäftsräume unter die Lupe nahmen. Die Staatsanwaltschaft wollte damit Beweise gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte sammeln, gegen die sie wegen des Verdachts der Untreue, der Insolvenzverschleppung und des Bankrotts ermittelt. Bei der Aktion hatten die rund 160 eingesetzten Ermittler umfangreiche Unterlagen und Dateien sichergestellt.

Die Ermittler werfen Schlecker dem Bericht zufolge außerdem vor, die Drogeriemarkt-Kette durch eine Art „Schnellballsystem“ finanziert zu haben. So habe er mit seinen Lieferanten außergewöhnlich lange Zahlungsfristen vereinbart und mit dem Erlös aus bereits verkaufter, aber noch nicht bezahlter Ware sein Unternehmen finanziert. Schlecker habe sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern wollen, berichtete der „Spiegel“. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart war am Sonntag nicht für Nachfragen zu erreichen.

Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen schon über Jahre Verluste angehäuft hatte. Allein im Jahr 2011 machte Schlecker laut Insolvenzverwaltung mehr als 200 Millionen Euro Minus. Anfang Juni stimmten die Gläubiger für eine Zerschlagung der Drogeriekette. 25.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Mitte Juni Vorprüfungen aufgenommen, ob die Schlecker-Pleite mit möglichen Straftatbeständen in Verbindung steht. Bei Insolvenzfällen wird routinemäßig die Staatsanwaltschaft informiert, im Fall Schlecker gaben die zunächst zuständigen Ulmer Ermittlungsbehörden die Aufgabe an die Kollegen in Stuttgart weiter, wo die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Wirtschaftsstrafsachen sitzt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medienbericht: Schwere Vorwürfe gegen Anton Schlecker"

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  • Ist eigentlich der Entführungsfall der Schlecker - Kinder jemals gelöst worden?

  • @Ismet_K.

    "Wie einige hier schon geschrieben haben, hat Anton Schlecker nur das gemacht, was alle von uns getan hätten. Seine und die Zukunft seiner Familie retten. Daran ist nichts verwerfliches"

    Eine herzige Betrachtung. Aber wenn ich den Staatsanwalt richtig verstanden habe, dann geht es hier vielleicht um mehrere ernste Straftatbestaende. Ob unter dieser Sicht dann Mitleid angebracht waere? Wenn sich Schleckers Schuld tatsaechlich bestaetigt, dann hoechstens Mitleid mit den Glaeubigern. Aber bisher gilt ja noch die Unschuldsvermutung - mal sehen.

  • Die Stimmung bzgl. der Schlecker Pleite und den zur Seite geschaffenen Vermögenswerten hält sich fast die Waage.
    Wie einige hier schon geschrieben haben, hat Anton Schlecker nur das gemacht, was alle von uns getan hätten. Seine und die Zukunft seiner Familie retten. Daran ist nichts verwerfliches, man muss auch bedenken das er über Jahrzehnte vielen Tausend Menschen in Lohn und Brot gebracht hat.
    Apropos, die Vorgehensweise begrüße ich nicht, aber in der Stellung dieses zu verurteilen bin ich auch wieder nicht. Daher sollten diejenigen die den Finger gegen Anton Schlecker erheben, erst mal in sich gehen und selbst mal überlegen wie man selbst gehandelt hätte...

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