Medienbericht
Verdacht auf Insolvenzverschleppung bei Praktiker

Hat die Praktiker-Führungsriege die Insolvenz der Baumarktkette verschleppt? Laut einem Medienbericht hegt nun auch die Staatsanwaltschaft Saarbrücken einen solchen Verdacht. Im Zentrum stehen zwei bekannte Manager.
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Genau ein Jahr nach der Praktiker-Pleite ermittelt laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ neben der Staatsanwaltschaft Hamburg nun auch die Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegen insgesamt fünf ehemalige Vorstandsmitglieder der Baumarktkette. Der Verdacht: Insolvenzverschleppung.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen laut den Informationen der Zeitung die früheren Praktiker-Chefs Thomas Fox und Armin Burger. Thomas Fox hatte zuvor bereits als Sanierer beim angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt gewirkt. Burger managte vor seiner Zeit bei Praktiker bereits das Handelsunternehmen Aldi.

Bereits im Dezember berichtete die Wirtschaftswoche, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg dem Verdacht der Insolvenzverschleppung durch drei frühere Konzernvorstände nachgehe.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken untersuchte damals zudem eine „mögliche strafrechtliche Relevanz eines kurz vor der Insolvenz veranlassten Abschlusses eines Beratervertrages“, zitierte das Blatt damals einen Sprecher. Allein 2011 und 2012 seien auf Konzernebene rund 43,2 Millionen Euro für externe Berater bezahlt worden, heißt es in dem Bericht.

Es könne „noch keine Aussage darüber getroffen werden, welcher der Beschuldigten überhaupt für eine unterlassene Insolvenzantragsstellung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könnte“, zitiert die „SZ“ Staatsanwalt Thomas Reinhardt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Entscheidend dafür sei der Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit von Praktiker, worüber bis frühestens diesen Herbst ein Gutachten urteilen soll.

Vor einem Jahr waren noch mehr als 300 Baumärkte unter den Namen Praktiker, Max Bahr sowie Extra-Bau+Hobby am Markt. Am 10. Juli meldete der Praktiker-Konzern, er sei überschuldet und zahlungsunfähig, am Tag darauf folgte der Insolvenzantrag. Der lange und kalte Winter 2013 hatte dem bereits ausgezehrten Unternehmen den Rest gegeben. Doch die wesentlichen Fehler hatten wechselnde Manager schon vorher gemacht. „20 Prozent auf alles“ - die Rechnung ging nicht auf. Mit der Rabattstrategie ruinierte sich Praktiker das Image und die Marke und riss im Laufe langer Monate voller Rettungsversuche schließlich auch die Tochtergesellschaft Max Bahr mit in den Abgrund.

Das Insolvenzverfahren läuft noch und wird erst in einigen Jahren abgeschlossen sein. Wie hoch der Schaden ist und welche Insolvenzquote am Ende für die Gläubiger herauskommt, ist offen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Medienbericht: Verdacht auf Insolvenzverschleppung bei Praktiker"

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  • Na und? Deutsche Juristen haben gerade entschieden: Manager dürfen ungestraft alles machen!

  • Haben auch deutsche Versicherer ihre Insolvenzen verschleppt und kann sich die Industrie auch - wie die Versicherungsbranche - auf einen "Paragr. 89 VAG" stützen?

    Das wäre doch toll, wenn auch dort die Gäubiger mit einem eigenen Gesetz auf ihre Forderungen verzichten und weiterhin zur Lieferung verpflichtet würden. Wir bräuchten dann überhaupt kein Insolvenzrevht, keine Anwälte mehr.

    Das bezeichne ich als kreative Gesetzgebung - geradezu "alternativlos".

    Nicht nur, dass unsere Politiker unsere bürgerlichen Grundrechte nicht sichern können, man hat sogar den Eindruck, denen hat jemand "in den Kopf ...".

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