Medizin
Kliniken wagen Qualitätswettbewerb

Krankenhäuser werden transparenter. Mehr als hundert Kliniken wollen jetzt Daten zu ihrer medizinischen Qualität veröffentlichen. Erstmals stellen sie sich einem direkten Vergleich. Aus gutem Grund. Über die schmerzhafte Öffnung des deutschen Gesundheitswesens.
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HANDELSBLATT. In welchem Krankenhaus werde ich am besten medizinisch versorgt? Das würde jeder gerne wissen. Eine Antwort darauf wollen mehr als Hundert Kliniken geben, die jetzt Daten zu ihrer medizinischen Qualität ins Netz stellen. Wie häufig beispielsweise bei Operationen Komplikationen aufgetreten sind oder wie oft es zu Todesfällen kam.

Einzelne Krankenhäuser veröffentlichen solche Daten zwar schon heute, aber dass sich 114 Kliniken in kommunaler, freigemeinnütziger und privater Trägerschaft dem Vergleich stellen und die Ergebnisse auch preisgeben, das gab es bisher noch nicht. Heute stellt die kommunale Gesundheitsholding Nordhessen aus Kassel ihre Daten ins Netz, das Elisabeth Klinikum Straubing ist schon drin und bis spätestens April müssen die übrigen Mitglieder der "Initiative Qualitätsmedizin" (IQM) folgen.

Als Ziel hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben, die "bestmögliche Qualität für alle Patienten zu erreichen", sagt Francesco De Meo, Präsident des Vorstandes der Initiative. Die erreicht mit jährlich 1,5 Millionen stationär und vier Millionen ambulant behandelten Patienten knapp neun Prozent Marktanteil. De Meo ist zugleich Chef des privaten Klinikkonzerns Helios, der die Initiative mit angeschoben hat.

Die anderen drei großen privaten Klinikketten Asklepios, Rhön-Klinikum und Sana arbeiten zurzeit mit dem Bundesverband der Privatkliniken (BDPK) an einer zweiten Initiative, die ebenfalls trägerübergreifend ausgerichtet werden soll. Als Starttermin ist Anfang 2010 angepeilt. "Wir halten den Wettbewerb der Ideen für gut", antwortet BDPK-Geschäftsführer Thomas Bublitz auf die Frage, warum man nicht mit der Initiative Qualitätsmedizin zusammenarbeitet.

Der 65 Mrd. Euro schwere deutsche Klinikmarkt gilt mit rund 2 000 Häusern als überbesetzt. Bezahlt wird pro Fall per Pauschale, und der Wettbewerb um Patienten ist hart. Davon zeugt auch die Diskussion um "Kopfprämien", die Ärzte von manchen Kliniken für die Überweisung von Patienten erhalten sollen.

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