Mehdorn feuert BER-Technikchef
„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“

Vor einer Woche kam der Korruptionsvorwurf auf, jetzt ist Jochen Großmann seinen Job los. Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat den BER-Technikchef entlassen. Für Chefaufseher Wowereit ist Großmann ein Einzelfall.
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BerlinWegen der Korruptionsaffäre am neuen Hauptstadtflughafen hat Geschäftsführer Hartmut Mehdorn den unter Verdacht stehenden Technikchef Jochen Großmann entlassen. Das sagte Mehdorn am Mittwoch im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Er hatte Großmann in der vergangenen Woche zunächst beurlaubt, nachdem die Staatsanwaltschaft dessen Büros durchsucht hatte. Sie wirft dem Ingenieur Bestechlichkeit vor.

„Ich habe diesem Mann getraut“, sagte Mehdorn. In der Vernehmung durch die Anklagebehörde habe Großmann jedoch „schon halbwegs seine Schuld eingestanden“, so der Flughafenchef. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und wer es einmal tut, der tut es wieder“, sagte Mehdorn, der am Montag eine Anti-Korruptions-Truppe eingesetzt hatte.

Großmann lies Mehdorn am Nachmittag widersprechen. Nach Angaben seines Büros hat er kein Geständnis abgelegt. „Herr Mehdorn irrt wenn er öffentlich und in den Medien behauptet, dass Prof. Jochen Großmann vor der Anklagebehörde irgendeine Schuld eingestanden hat“, teilte Großmanns Unternehmen Gicon in Dresden mit. Es habe keine Vernehmung geben. Gicon kündigte an, die Vorwürfe entkräften zu wollen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Aufsichtsratschef des BER ist, sprach bei Großmann von einem Einzelfall. Er wies Vorwürfe der Opposition zurück, die Strukturen beim Flughafen begünstigten solche Fälle.

Großmann war erst im April beim Flughafen fest angestellt worden. Zuvor soll er als Berater Geld von dem niederländischen Unternehmen Arcadis verlangt haben, damit er diesem zu einem Auftrag auf der Baustelle verhilft. Der Flughafen hatte zunächst eine Summe von 500.000 Euro genannt, im Ausschuss sprach Mehdorn nun von 350.000 Euro.

Mehdorn sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe bereits erste Nachfolge-Kandidaten im Blick. Der Posten solle so schnell wie möglich neu besetzt werden. Bewerber können jedoch nicht darauf hoffen, wie der frühere Technikchef Horst Amann auch in die Geschäftsführung einzuziehen. „Wir haben zwei Geschäftsführer, und das reicht“, meinte Mehdorn, der das Unternehmen zusammen mit Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster führt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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