Mehdorn muss an zwei Fronten kämpfen
Bahn droht massive Ausweitung der Streiks

In dieser Woche kommt es für Bahnchef Hartmut Mehdorn gleich an zwei Fronten knüppeldick. Im völlig verfahrenen Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL droht von Mittwoch an ein Totalstreik im Nah-, Fern- und Güterverkehr mit Millionenschäden. Und der Börsengang des Staatskonzerns hängt nach langem Vorlauf plötzlich am seidenen Faden der Politik.

HB FRANKFURT/BERLIN. Im Tarifstreit bei der Bahn rüstet sich die Lokführergewerkschaft GDL für eine erneute Verschärfung ihrer Streiks mit drohenden Folgen für Millionen Kunden. GDL-Chef Manfred Schell kündigte für diesen Dienstag eine Entscheidung über Aktionen an, die von Mittwoch an den kompletten Zugbetrieb im Personen- und Güterverkehr treffen könnten. Wenn der Konzern kein neues Angebot für einen eigenständigen Tarifvertrag vorlege, provoziere er weitere Arbeitskämpfe. Die Bahn gab bis Montagabend keine neuen Vorschläge bekannt und verwies erneut auf ihr "gutes Angebot“ von Mitte Oktober, das eigenständige Tarifregelungen für Lokführer umfasse. "Darüber können wir jederzeit sprechen“, sagte ein Bahnsprecher.

Über ihr Vorgehen will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Dienstagmittag nach einer Sitzung des geschäftsführenden Vorstands in Frankfurt informieren. Am Dienstag selbst seien keine Streiks geplant. "Wir brauchen eine gewisse Vorlaufzeit“, sagte GDL- Vize Claus Weselsky der dpa. Streiks von Mittwoch an seien aber wahrscheinlich, hieß es bereits. Zuletzt gab es am 3. und am 10. Juli Warnstreiks, die zugleich den Nah-, Fern- und Güterverkehr trafen. Später beschränkte sich die Gewerkschaft entweder auf den Nah- oder wie zuletzt auf einen 42-Stunden-Ausstand im Güterverkehr, der am Samstag beendet worden war.

Die Bahn äußerte sich zunächst nicht näher zu ihrem weiteren Kurs. Ihr Vorstand kommt ebenfalls am Dienstag in Berlin zusammen. Das bisher vorgelegte Angebot an die GDL umfasst 4,5 Prozent mehr Geld, eine Einmalzahlung von 600 Euro, Zusatzverdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und bezahlte Überstunden. Die GDL hatte dies jedoch schon mehrmals als unzureichend abgelehnt. Die Gewerkschaft fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer und bis zu 31 Prozent mehr Geld.

Der verkehrspolitische Sprecher der Dirk Fischer (CDU), forderte Bahnchef Hartmut Mehdorn auf, den Konflikt mit der GDL zur Chefsache zu machen. Jetzt sei "die Stunde gekommen, wo Herr Mehdorn selbst diese Verhandlungen führen muss“, sagte Fischer am Montag im RBB-Inforadio. Personalvorstand Margret Suckale habe die Sache bisher nicht in den Griff bekommen. Für eine Annäherung müsse es darum gehen, die "Konfrontation der letzten Jahre“ aufzuarbeiten.

Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte beide Seiten zum Einlenken aufgefordert. "Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen, da siegt zum Schluss immer die Wand“, sagte sie der ARD. Alle Beteiligten müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und aufeinander zugehen.

Der Logistikverband BME geht davon aus, dass die Wirtschaft einen weiteren Ausstand von einigen Tagen im Güterverkehr verkraften dürfte. Ein unbefristeter Streik hätte dagegen erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft, warnte BME-Chef Jürgen Marquard. Nach einer Umfrage des Verbandes verfügt fast die Hälfte der von der Bahn belieferten Unternehmen über keine oder nur geringe Materialreserven. 22,6 Prozent hätten überhaupt keinen Puffer, weitere 25,8 Prozent hätten eine Sicherheitsreserve von einem Tag.

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