Mehdorn-Nachfolge
Stellungskrieg um die Bahn beginnt

Kaum hat Bahnchef Mehdorn die Bahn verlassen, schon ringen Parteien und Gewerkschafter um den neuen Kurs des Konzerns. Besonders die Teilprivatisierung bleibt umstritten. Der Bahnvorstand müsste schnell entscheiden, wo es hingehen soll - doch ein neuer Chef ist noch nicht in Sicht.

BERLIN. Einen Tag nach dem angekündigten Rücktritt von Bahnchef Hartmut Mehdorn debattieren Parteien, Gewerkschaften und Bahnexperten über den künftigen Kurs des Bundesunternehmens Deutsche Bahn AG. Gestern kündigte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering an, seine Partei werde im Wahlprogramm die Teilprivatisierung der Bahn für die kommende Legislaturperiode ausschließen. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, es werde „in der nächsten Legislaturperiode keine Fortsetzung der Teilprivatisierung“ geben. Etliche in der SPD fordern sogar ein generelles Nein. Dagegen pocht die Union weiter darauf, die Bahn nach der Finanzkrise für private Investoren zu öffnen. „Davon weichen wir nicht ab“, hieß es gestern im Kanzleramt. Die Interessen in der Koalition liefen „offenkundig auseinander“.

Die Frage über den Kurs der Bahn entscheidet letztlich auch darüber, wer als Nachfolger für Mehdorn in Frage kommt. Die Gerüchte reichen derzeit von Thomas Enders, Chef des Flugzeugherstellers Airbus, über den ehemaligen Chef der Energie Baden-Württemberg, Utz Claassen, und den Chef der Schweizer Bundesbahn, Andreas Meyer, bis hin zum Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise. So bunt die Liste ist, so vielfältig kann die Aufgabe des neuen Bahnchefs ausfallen – je nachdem, welche Richtung der Eigentümer Bund vorgibt.

Gestern wollten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD), Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU), Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sowie Tiefensee um 22 Uhr zu einem Krisengipfel im Kanzleramt treffen. Es werde über die Ausrichtung der Bahn diskutiert und sicher noch kein Nachfolger benannt, hieß es vor dem Treffen im Umfeld der Kanzlerin.

Die Vorstellungen der SPD sorgten auch bei den Gewerkschaften für Irritationen. Sowohl die größte Eisenbahner-Vertretung Transnet als auch die GDBA erklärten, sie seien dafür, an der bisherigen Konzernstrategie festzuhalten. „Wir haben den bisherigen Weg nicht für falsch gehalten“, sagte ein Transnet-Sprecher. Das Transport- und Logistikgeschäft werde in allen Facetten immer internationaler. Man könne nicht das Rad zurückdrehen und sich auf das nationale Kerngeschäft Bahn beschränken. Beide Gewerkschaften fordern, dass die Bahn als integrierter Konzern samt Schienennetz erhalten bleibt.

GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel sagte, die internationale Ausrichtung schaffe Arbeitsplätze in Deutschland. Ebenso wie Transnet wollte auch er einen Börsengang nicht ausschließen. Dies sei „eine Option, die man sich offen halten kann“, sagte Hommel. Etwa, wenn der Bund kein Geld für die weitere Unternehmensentwicklung habe.

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