Mehdorn unter Druck
Datenskandal bei der Bahn weitet sich aus

In der Daten-Affäre bei der Deutschen Bahn AG hat das Unternehmen einen weiteren umfassenden Datenabgleich seiner Mitarbeiter eingeräumt. Neben den Fällen in den Jahren 2001 und 2002 habe es im Jahr 2005 ein weiteres Datenscreening gegeben, in dem die Daten aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Firmendaten abgeglichen worden seien.

BERLIN/DÜSSELDORF. Die Bahn habe dies in einer Sitzung des Prüfungsausschusses des Aufsichtsrats am vergangenen Freitag eingeräumt, wie aus einem Brief des Bundesverkehrsministeriums an den Bahn-Aufsichtsrat hervorgeht, der dem Handelsblatt vorliegt. Ein Sprecher der Bahn bestätigte dies am Abend.

Damit wächst der Druck auf Bahnchef Hartmut Mehdorn. Erst am Mittag hatte er in einem Brief an die Mitarbeiter Fehler in den Fällen aus den Jahren 2001 und 2002 eingeräumt: "Für die grundsätzlich sinnvolle und zulässige Maßnahme zur Korruptionsbekämpfung war es nicht nötig, den Kreis der Mitarbeiter, die in den Datenabgleich einbezogen wurden, so weit zu ziehen." Die Bahn sei "übereifrig" gewesen, schrieb Mehdorn.

Mehdorn reagierte damit auf öffentliche Forderungen, vor allem seitens der SPD und der Gewerkschaften. Diese verlangen eine Entschuldigung. Nach Informationen des Handelsblatts hatte sich Mehdorn zu dem Brief auch auf Druck des Kanzleramts entschieden. Es gehe nicht darum, ob die Bahn rechtlich einwandfrei agiert habe, hieß es dort. Entscheidend sei die politische Dimension. Die SPD setze darauf, Mehdorn abzulösen, da der Verkehrsminister, Wolfgang Tiefensee (SPD), einen neuen Bahnchef vorschlagen dürfe, verlautete aus dem Umfeld des Kanzleramts. Tiefensee hatte Mehdorn am Dienstag erneut attackiert. Die Aufklärung dauere zu lange. "Und es kommt nicht konsequent und im Ganzen ans Tageslicht", sagte er.

Am Dienstagmittag sah es noch so aus, als könnte die Datenaffäre bei der Deutschen Bahn AG ein gutes Ende für den Konzernchef finden. In dem Brief an die Mitarbeiter schrieb er reuig: "Aus heutiger Sicht waren wir hier übereifrig, und es gab eine falsch verstandene Gründlichkeit." Er bedauere den Eindruck, man vertraue den Mitarbeitern nicht. Künftig wolle er gemeinsam mit dem Betriebsrat besprechen, wie sinnvoll gegen Korruption vorgegangen werden könne.

Was für ein Hohn gegen das, was dann am Abend bekannt wurde. In einem Brief an den Aufsichtsrat berichtet der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Achim Großmann, von der vertraulichen Sitzung des Prüfungsausschusses des Aufsichtsrates, der am Freitag getagt hatte. Darin wollte vor allem Großmann, selbst Aufsichtsrat der Bahn, geklärt haben, warum die Daten von 173 000 Bahn Mitarbeitern in den Jahren 2001 und 2002 mit denen der Lieferanten abgeglichen worden seien. Antworten habe es nur "unzureichend" gegeben. Auch sei die Bahn der Auffassung, sie müsse weder den betrieblichen Datenschutzbeauftragten noch die Mitarbeiterseite konsultieren. Dafür erhielt das vierköpfige Gremium die Information, dass 2005 gleich noch einmal "alle Mitarbeiter" überprüft worden seien.

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