Mehr Konkurrenz
ADAC und Post blasen zum Angriff auf die Bahn

Der Druck auf die Bahn steigt: Der ADAC Postbus will sein Streckennetz verdoppeln – und ins Ausland ausweiten. Zur Einführung locken ADAC und Post mit drastischen Preisrabatten. Die Bahn bleibt aber nicht untätig.
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Berlin/Bonn/DüsseldorfDeutsche Post und ADAC wollen künftig der Bahn noch mehr Konkurrenz machen. Die Partner teilten am Montag mit, ihr Fernbusnetz ab Mitte August zu verdoppeln. 30 weitere Ziele sollten in den Fahrplan aufgenommen werden. Auch würden dann Reisen über die Landesgrenze hinweg, etwa nach Straßburg oder Zürich, angeboten. Auf bestimmten Strecken solle sich zudem durch Expressverbindungen die Reisezeit verkürzen. Insgesamt verbinde der ADAC Postbus ab August auf 15 Linien 60 Städte miteinander. Zur Einführung des neuen Fahrplans gibt es bis Ende Juli 30 Prozent Rabatt auf Tickets zu einem der neuen Ziele.

Kunden schätzen Fernbusse als günstige Alternative zur Bahn, eigenem Auto oder Flieger. Aber die Konkurrenz ist mittlerweile groß. Seit der Öffnung des Fernbusmarktes Anfang 2013 steigt die Zahl der Anbieter stetig an. Nachdem lange nicht klar war, ob ein gemeinsames Konzept zustande kommt, starteten Post und ADAC im November gemeinsam die ersten Fernbusse auf die Straße.

Mit den neuen Zielen ändern sich den Angaben zufolge auch Abfahrts- und Ankunftszeiten, sie seien „besser auf das Reiseverhalten der Fahrgäste abgestimmt“. Die Busse sollen nach Angaben von Postbus-Geschäftsführer Joachim Wessels häufiger am Donnerstag, Freitag, und an Wochenenden und seltener von Montag bis Mittwoch unterwegs sein.

Die Deutsche Bahn bleibt aber nicht untätig. So bieten die Fernbusse der Deutschen Bahn ab sofort auch die Fahrradmitnahme an, wie das Unternehmen Berlinlinienbus am Montag in Berlin mitteilte. 100 Busse seien mit Radträgern ausgestattet worden, sie könnten jeweils drei Räder transportieren. Die Mitnahme kostet demnach zehn Euro und muss spätestens vier Tage vor der Abfahrt online, im Reisebüro oder telefonisch unter 030-3384480 gebucht werden. E-Bikes, Pedelecs oder Tandems könnten allerdings nicht befördert werden.

Busunternehmern in Deutschland dürfen seit rund eineinhalb Jahren in großem Stil Linienverkehr für Fernstrecken anbieten. Mittlerweile sind 40 Unternehmen aktiv, die aktuell knapp 170 Linien anbieten. Im vergangenen Jahr waren Schätzungen zufolge rund neun Millionen Reisende im Fernbus unterwegs. Laut einer Marktstudie des Forschungs- und Beratungsinstituts IGES rangierte der Postbus zuletzt nur auf Platz vier. Größter Anbieter ist demnach Mein Fernbus gefolgt vom Angebot der Deutschen Bahn (Berlin-Linien-Bus) und dem Unternehmen Flixbus.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Fernbuslinien? Ich wollte einmal billig(Tiefspreis 9€) nach Hamburg. Auskunft bei diversen Firmen: Nur im voraus buchen, min. 3 Monate. Rückfahrt am selben Tag? Geht nicht. Vielleicht war ich auch nur der Pechvogel, aber ich will am selben Tag noch zurück!

  • Liebes Gestenkorn, Sie merken gar nicht wie ihr Kommentar meine These des Wirklichkeitsverlusts bei der DB unterstützt: Vorausbuchungsfrist 92 Tage !!Das können sich nur ein paar festangestellte, fast verbeamtete, Mitarbeiter ausgedacht haben, wahrscheinlich an einem großen Konferenztisch mit riesigen Kannen Kaffee und vielen Plätzchen.
    Das Resultat ist dass viele Plätze leer bleiben und die Fernbusse schnell mehr und voller werden. Die brauchen nur noch das Problem mit den Standplätzen zu lösen, dann wird die DB ihre Vorausbuchungsfrist bald kürzer machen. Ich hoffe es für die Bahn, denn ich möchte nicht noch länger viel Steuergeld in dieses Unternehmen stecken müssen.

  • "Wie kann es sein, dass die DB von Frankfurt nach Köln teurer ist als ein Bus der parallel zur Autobahn genau die gleiche Strecke fährt?"

    Die Fernbusanbieter fahren mit Verluste. Plus die Bahn wird vom Steuerzahler subventioniert. Auf lange Sicht haben 90% der Fernbusanbieter keine Chance.

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    Die meisten Anbieter machen indessen wegen des harten Preiskampfes immer noch Verluste. „Es gibt kein Unternehmen, das Geld verdient“, sagt Donker van Heel, ohne Zahlen zu nennen. Laut dem Branchenreport „ÖPNV aktuell“ hat City2City in den ersten beiden Betriebsjahren Verluste von sieben Millionen Euro einkalkuliert.

    http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Wirtschaft/Fernbusse-Ruinoeser-Preiskampf
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