Mehr Mode trotz Krise
S. Oliver setzt auf neue Shops

Der Modekonzern S. Oliver spürt die Krise bislang kaum. Das Familienunternehmen aus Rottendorf bei Würzburg rechnet für dieses Jahr gar mit einer Umsatzsteigerung. Dabei wird der Verkauf über eigene Läden immer wichtiger. Dieses Jahr sollen 88 weitere Filialen eröffnet werden - davon mehr als die Hälfte in Deutschland.

ROTTENDORF. „Wir erwarten, dass unser Umsatz in diesem Jahr im oberen einstelligen Prozentbereich wächst“, sagte Thomas Steinhart, kaufmännischer Geschäftsführer des Modekonzerns aus Rottendorf bei Würzburg, dem Handelsblatt. Bereits im ersten Halbjahr sei der Umsatz im einstelligen Prozentbereich gestiegen. Zum Wachstum trugen vor allem die zahlreichen neuen Filialen bei. Auf vergleichbarer Fläche erwartet er einen ähnlichen Umsatz wie im Vorjahr.

S. Oliver bietet relativ günstige Mode an und positioniert sich selbst zwischen den Konkurrenten H&M und Esprit. Wie Marc O’Polo und der Strumpfhersteller Falke gehört das Unternehmen zu den vielen Familiengesellschaften der Branche. S. Oliver, das dieses Jahr 40 Jahre alt wird, zählt zu den zehn größten Modeanbietern in Deutschland.

Das Unternehmen gehört Firmengründer Bernd Freier, der die Öffentlichkeit meidet. Nur seine fünf Geschäftsführer geben Interviews. Steinhart nennt zwar nicht den Gewinn von S. Oliver, verrät aber: „Wir haben keinen einzigen Bankkredit und eine Eigenkapitalquote von mehr als 60 Prozent.“ Die Umsatzrendite betrage rund zehn Prozent.

Im vergangenen Jahr trieb S. Oliver das Geschäft mit T-Shirts, Hosen und Jacken vor allem durch eigene Läden voran. Das bayerische Unternehmen eröffnete 36 Filialen und übernahm drei Franchiseverträge. Im Jahr zuvor waren es nur 15 neue Filialen und zwei Franchiseübernahmen. Wie das Unternehmen dem Handelsblatt berichtete, ist der Umsatz 2008 um 7,8 Prozent auf 816 Mio. Euro gestiegen. Die Branche insgesamt schaffte nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) nur ein Plus von 1,2 Prozent.

Der größte Brocken ist mit 445,9 Mio. Euro (plus 3,3 Prozent) zwar noch immer der Großhandelsumsatz. Doch der Verkauf über eigene Läden wird immer wichtiger: Er kletterte um 16,4 Prozent auf 266,2 Mio. Euro. „Unser Ziel ist es, dass der Anteil unserer Filialen am Gesamtumsatz in den kommenden Jahren weiter steigt“, sagt Steinhart – eine Strategie, die auch zahlreiche Konkurrenten verfolgen. „Viele Modefirmen müssen kompensieren, dass große Flächen bei Kunden wie Hertie, Wehmeyer und Sinn&Leffers weggefallen sind“, sagt Philip Beil, Experte für Mode- und Luxusindustrie der Unternehmensberatung Roland Berger. Das gelinge S. Oliver besonders gut.

Zudem lässt sich das Geschäft über eigene Filialen viel direkter steuern. Konzerne wie Esprit setzen deshalb stark auf das eigene Filialnetz, andere wie H&M und Inditex mit Marken wie Massimo Dutti und Zara verkaufen nur über eigene Filialen und sind auch in der Krise bislang erfolgreich.

„Wir werden dieses Jahr insgesamt 88 Läden im In- und Ausland eröffnen, davon 46 in Deutschland“, kündigt Steinhart an. Er will die Krise auch nutzen, um von sinkenden Mietpreisen zu profitieren. Aber auch auf den Großhandelsflächen nehmen die Manager von S. Oliver das Heft in die Hand. Schon 40 bis 50 Prozent dieser Flächen bewirtschaftet das Unternehmen selbst – Tendenz steigend.

Kritiker bemängeln, dass der Auslandsumsatz zu gering sei. Im vergangenen Jahr erreichte er mit 188 Mio. Euro erst 23 Prozent. Steinhart kennt das Problem und verspricht: „Wir wollen den Auslandsanteil bis 2012 auf 30 bis 40 Prozent erhöhen.“

Letztes Jahr eröffneten die Rottendorfer die ersten zwei Filialen in Polen. Vor kurzem übernahmen sie die Läden von einem Franchisenehmer in der Slowakei, um eine eigene Vertriebsgesellschaft zu gründen. Außerdem starteten sie ein Joint Venture mit Orient Craft Limited in Haryana, um ein Filialnetz in Indien aufzubauen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%