Mehrheitseigner droht mit Schließung
Wöhrl setzt LTU unter Druck

Für den Ferienflieger LTU wird die Luft in diesem Jahr dünn. Knapp zwei Wochen nach seinem Einstieg bei der Düsseldorfer Firma hat der neue Mehrheitseigner und DBA-Aufsichtsratschef Hans-Rudolf Wöhrl seine Ziele für den Turnaround formuliert.

MÜNCHEN / FRANKFURT. „Wir erwarten eine Ergebnisverbesserung von 40 bis 50 Millionen Euro in diesem Jahr“, sagte Wöhrl am Montagabend in München. Sollte sich die Belegschaft den Sparmaßnahmen verweigern, drohte Wöhrl offen mit Konsequenzen: „Dann sperren wir zu“, sagte der neue starke Mann der LTU: „Entweder die LTU ist in einem halben Jahr gedreht oder nie“.

Wöhrl hat die seit Jahren defizitäre Fluggesellschaft Mitte Februar mehrheitlich für einen nicht bekannten Kaufpreis übernommen. In Unternehmenskreisen hieß es, der bisherige Hauptaktionär Rewe sei Wöhrl weit entgegen gekommen, um aus der unternehmerischen Führung entlassen zu werden. Der Kölner Handelskonzern hat in den vergangenen Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in die LTU gepumpt.

Gemessen am Jahresumsatz von knapp einer Mrd. Euro ist LTU etwa doppelt so groß wie die DBA. Dennoch sieht der gelernte Textilkaufmann Wöhrl für die Sanierung seiner Neuerwerbung Chancen. Schon der Zusammenschluss mit der DBA bringe zusätzlichen Ertrag, rechnete Wöhrl in München vor: 15 Mill. Euro sollen Synergien bringen, wie das Zusammenlegen von Versicherungen und Buchungssystemen sowie das Einführen einer gemeinsamen Abfertigung. Zusätzliche Passagiere der DBA für die LTU-Langstreckenflotte sollen das Ergebnis um weitere 15 bis 25 Mill. Euro heben. Schließlich müssten die Beschäftigten einem dauerhaften Gehaltsverzicht von 15 Mill. Euro pro Jahr zustimmen. Das solle reichen, um LTU zu stabilisieren, sagte Wöhrl. Die Sanierungsmaßnahmen könnten schon 2006 ein ausgeglichenes Ergebnis bringen: „Wenn diese Veränderungen nicht möglich sind, dann ist die LTU nicht sanierungsfähig.“

Und Wöhrl fordert mehr als nur den reinen Gehaltsverzicht. Der neue Chef will auch die zahlreichen Betriebsvereinbarungen des Charterfliegers streichen. Während die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert hat, reagiert die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) mit Kritik auf die Schließungsandrohung: „Wir fordern von der LTU-Führung schon seit Jahren ein Erfolg versprechendes und nachvollziehbares Konzept – bis heute vergebens“, sagte Verhandlungsführerin Ilona Ritter dem Handelsblatt. Über die Personalkosten sei LTU nicht zu retten: „Das sollte nach drei Sanierungsrunden wohl sehr deutlich sein“, sagte sie. Bisher sehe die VC „keine Basis für den Einstieg in Tarifverhandlungen“. Branchenexperten verweisen auf die schwache Produktivität bei LTU, die mit 2 700 Beschäftigten so viele Passagiere fliegt wie Air Berlin. Der Rivale kommt aber mit der Hälfte des Personals aus.

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