Mehrwertsteuererhöhung
Handel verkneift sich Preisschub

Die befürchteten Preissteigerungen im deutschen Einzelhandel, mit denen Marktforscher seit Monaten im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung rechnen, bleiben bislang aus. Trotzdem registrieren Experten einen „gefühlten“ Preisanstieg bei den Verbrauchern. Eine der Ursachen könnte auch die Preispolitik des einzigen schwarzen Schafes der Branche sein.

DÜSSELDORF. „Die Branchen halten sich zurück“, bestätigt Christian Fronczak vom Dachverband der deutschen Verbraucherschutzverbände VZBV. Studien der Beratungsfirmen BBE und Sempora waren vor Monaten davon ausgegangen, dass der Handel bereits vorab seine Preise nach oben schrauben würde, um beim Jahreswechsel werbewirksam auf den Mehrwertsteueraufschlag verzichten zu können.

„Viele Händler nutzten ihre Erfahrungen bei der Euro-Umstellung und fangen schon jetzt an, die Preise anzuheben“, behauptete Thomas Straubhaar vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut selbst gestern noch im TV-Programm der Deutschen Welle. Doch davon kann keine Rede sein, wie der monatlich aktualisierte Preismonitor des Statistischen Bundesamtes zeigt. Nicht nur die Preise für Kleider- und Küchenschränke, Bratpfannen und Modeschmuck sind seit Jahresbeginn absolut stabil geblieben. Die durchschnittliche Kinokarte kostete im Juli nicht mehr als Anfang Januar – Gleiches gilt für Dienstleistungen wie Autowäsche, KFZ-Reparaturen, Haareschneiden oder Kleiderreinigung.

Deutlich billiger wurden sogar Elektro- und Elektronikgeräte wie Staubsauger, Computerbildschirme und Fernseher. Ihre Preise fielen seit Jahresanfang um teilweise bis zu zehn Prozent. Auch Damenjeans und Herrenkrawatten sind heute um durchschnittlich zwei Prozent günstiger zu haben als vor acht Monaten.

Selbst in der Gastronomie haben sich Bier, Mineralwasser oder Fleischgerichte seit Jahresanfang um weniger als ein Prozent verteuert. Vor der Euro-Einführung vor viereinhalb Jahren sah das noch ganz anders aus: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hatten die Wirte schon vor der Währungsumstellung das Preiskarussell in Gang gesetzt, um dann im Januar 2002 noch einmal drei bis vier Prozent auf die Rechnungen draufzuschlagen.

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