Mehrzweck-Stadien sind kommerziell nicht erfolgreich
Arena-Schlamassel in Düsseldorf

Fortuna Düsseldorf schafft den Aufstieg nicht.“ - „Hotelinvestor lässt auf sich warten.“ - „Sportamt wird als Mieter zwangsverpflichtet“ – und so weiter und so fort. Die Schlagzeilen deuteten es bereits an. Die Düsseldorfer LTU-Arena lässt sich nicht wirtschaftlich betreiben. „Wir haben das nicht richtig eingeschätzt“, musste jetzt zähneknirschend auch der Vater der Multifunktionsarena eingestehen: CDU-Politiker Joachim Erwin, Oberbürgermeister von Düsseldorf, nennt die Probleme allerdings Anlaufverluste, die die Stadt ausgleichen müsse.

DÜSSELDORF. Damit will er von einem grundsätzlichen Problem ablenken: Arenen sind teuer, komfortabel und schick. Nur eines sind sie nicht: kommerziell erfolgreiche Immobilien. Ohne Hilfen der öffentlichen Hand geht es nicht. Selbst die privat finanzierte Arena auf Schalke in Gelsenkirchen kommt nicht ohne öffentliche Bürgschaften aus.

Doch statt Farbe zu bekennen versuchte Erwin, die Sache immer wieder schön zu reden. Erst der Einstieg eines privaten Investors, der die Anteile des inzwischen insolventen Baukonzerns Walter Bau an der Arena gekauft hatte, brachte die Wahrheit ans Licht: Er hatte sich die Bücher des 220 Mill. Euro teuren Prestigebaus zeigen lassen.

Stadt und Baukonzern hatten sich bislang Besitz- und Betreibergesellschaft geteilt. Dabei wurde offenbar reichlich geklüngelt. Die Multifunktionsarena mit 51 500 Tribünenplätzen, Büros, Hotel und Parkhaus ersetzte das alte Rheinstadion – lautstark: Es wurde gesprengt. Nun liegt auch die neue Arena in Trümmern – wirtschaftlich.

Erwin reicht den Schwarzen Peter an Walter Bau weiter: Die Insolvenz des Augsburger Baukonzerns habe zu Bauverzögerungen geführt und sei für die Misere verantwortlich. Doch da macht es sich der ehrgeizige Lokalpolitiker, in dessen Amtszeit die Landeshauptstadt einen nie da gewesenen Bauboom erlebt, zu einfach. Denn nicht Bauverzögerungen, sondern fehlendes betriebswirtschaftliches Denken hat bei dem Prunkbau zu der Schieflage geführt. Dies meint zumindest Günter Vornholz, Finanzierungsexperte für Arenen bei der NordLB. Er warnt in einer Studie über die Rentabilität von Fußballstadien vor den „erheblichen Risiken und Unsicherheiten“ auf der Einnahmeseite der Arenen. Eine realistische Einnahmeplanung sei aber das A und O bei der Entscheidung über die Höhe des Investitionsvolumens für eine Arena.

Hinter dem erfolgreichen Betrieb der LTU-Arena – die Fluggesellschaft soll nur gegen einen Freundschaftspreis als Namensgeber eingesprungen sein – stand von vornherein ein dickes Fragezeichen. Frei nach dem Motto „notfalls zahlt der Steuerzahler“ gab es immer nur vage Aussichten auf viele Mega-Events neben dem Fußball, mit denen der Betrieb gesichert werden soll. Denn mit den Regionalliga-Kickern der Fortuna lässt sich die Arena nicht auslasten. Doch die Konkurrenz der Arenen in der Region – auf Schalke, in Köln oder Oberhausen – ist mörderisch. So viele Konzerte von Mega-Stars wie Phil Collins lassen sich gar nicht an den Rhein holen, um Gewinne zu erzielen.

Für Vornholz kommt das Eingeständnis von Erwin, dessen Gerangel um die Arena im Düsseldorfer Rathaus für mächtig Zündstoff sorgt, nicht überraschend. Der Bau der LTU-Arena ist für ihn eine politische Entscheidung gewesen, um die Attraktivität des Standorts zu erhöhen. Im Klartext: Rendite war Nebensache, Subventionen von vornherein einkalkuliert.

Um sich Häme zu ersparen, hätte Düsseldorf ein paar Kilometer rheinaufwärts Anschauungsunterricht nehmen sollen – nur ausnahmsweise. Das neue 120 Mill. Euro teure Rhein Energie Stadion im „feindlichen“ Köln finanzierte, baute und betreibt die Kommune ganz allein - da lässt sich viel besser klüngeln.

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