Mercadona
Revolution im Einzelhandel – wenn der Kunde zum „Boss“ wird

Mercadona, Spaniens umsatzstärkste Supermarktkette, revolutioniert den Einzelhandel - ähnlich wie einst Toyota die Autoproduktion. Gewinne sind zweitrangig, wichtig ist die Produktivität, so lautet die Devise. Bisher geht die Rechnung auf, obwohl die Gewinne schrumpfen.
  • 1

MADRID. Immer wieder dieser Cent. Fragt man Führungskräfte bei Mercadona, wie die spanische Supermarktkette mit Konjunkturflauten Phasen fertig wird, dann erzählen sie die Geschichte von dem Cent. Einen solchen ließ Mercadona-Chef Juan Roig vor zwei Jahren jedem Direktor zukommen. Sie sollten alle Abläufe überprüfen und alles eliminieren, was dem "Boss", wie der Kunde bei Mercadona heißt, keinen Mehrwert bringt und Produkte unnötig verteuert.

Die Geschichte ist bezeichnend für das Familienunternehmen aus Valencia, das in den letzten Jahren mehr umgesetzt hat als alle anderen Supermarktketten in Spanien - zuletzt 15,5 Mrd. Euro. Dabei haben die Hauptkonkurrenten, die französische Carrefour-Gruppe und die baskische Kooperative Eroski, jeweils doppelt so viele Filialen.

In Quadratmetern Verkaufsfläche hat Mercadona nur einen Marktanteil von 12,8 Prozent, Carrefour dagegen 21,5 Prozent. Doch das Unternehmen aus Valencia verkauft pro Quadratmeter Ladenfläche und auch pro Arbeiter mehr als alle anderen Supermärkte in Spanien - und auch als die US-Konkurrenten, wie eine Fallstudie der US-Universität Harvard über Mercadona ergab.

Gewinn ist zweitrangig

"Mercadona ist so etwas wie das Toyota-Produktionssystem des Einzelhandels", sagt Harvard-Professorin Zeynep Ton, Autorin der Studie. Toyota hat in den 80er-Jahren die Serienproduktion revolutioniert. Die Japaner hätten bewiesen, dass man hochwertige und niedrigpreisige Autos bauen kann, wenn man in Abläufe investiert und Mitarbeiter gut ausbildet - statt sie als Kosten zu behandeln, die es zu minimiieren gilt.

Seitdem die Direktoren den Cent vom Direktor in der Tasche mit sich herumtragen, hat sich bei Mercadona einiges verändert. Oft sind es Kleinigkeiten: Früchte und Gemüse werden nur noch lose verkauft, um den Verpackungsprozess einzusparen. Die Form von Cremedosen wurde verändert, um beim Transport Platz zu sparen.

Rund tausend Produkte verschwanden ganz aus dem Angebot. "Mercadona verschreibt seinen Kunden eine limitierte Auswahl an Produkten, dadurch werden Kosten reduziert und den Kunden die Auswahl erleichtert", lobt die Harvard-Expertin.

Die so eingesparten vielen Millionen Cents kamen dem Kunden, dem "Boss", zugute - nicht den Besitzern. Gewinne sind zweitrangig, wichtig ist die Produktivität, so lautet die Devise von Mercadona-Präsident Roig. Tatsächlich sank der Gewinn nach der Cent-Offensive, also im Geschäftsjahr 2009, um 16 Prozent. Dafür stieg der Umsatz, und auch noch einmal die Produktivität, berechnet als Verkauf pro Mitarbeiter - und das obwohl Mercadona 2009 rund 50 neue Supermärkte aufmachte und 500 Leute einstellte. "Wir müssen langfristig denken und uns nicht mit dem Gedanken an Gewinnsteigerungen verrückt machen", sagt Roig.

Seite 1:

Revolution im Einzelhandel – wenn der Kunde zum „Boss“ wird

Seite 2:

Kommentare zu " Mercadona: Revolution im Einzelhandel – wenn der Kunde zum „Boss“ wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn man nur einfach nur irgendwelche Studien zitiert und diese nicht kritisch hinterfragt, dann kommen solche berichte raus. Wie kann man denn Mercadona mit Carrefour vergeleichen? Die einen haben Supermärkte in innenstadtlage, die anderen setzen auf Hypermärkte an den Stadträndern. Da ist es logisch, dass der Umsatz pro qm bei Mercadona höher ist. Nimmt man aber Ebit pro qm zeigt sich ein anderes bild, da hier die hohen Mieten durchschlagen...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%