Messebranche
Tohuwabohu der Modemessen nervt Hersteller

Wäsche-Messen in Berlin und Düsseldorf, Jeans- und Herrenmode in Köln und Damenkollektionen gleich an allen Standorten: Die Zersplitterung der Messebranche macht den Herstellern zu schaffen - und trifft die Branche in einer Zeit, in der viele Einzelhändler ohnehin um ihr Überleben kämpfen.

DÜSSELDORF. Berlin hat sie wieder: Nach vierjähriger Abstinenz kommt die Mode-Messe "Bread & Butter" zurück an die Spree. Im ehemaligen Flughafen Tempelhof werden Anfang Juli 550 Aussteller ihre Kollektionen zeigen. "Urban Wear" heißt ihr Segment - gemeint ist damit modische Kleidung für Großstadtmenschen. Damit beenden die Berliner Veranstalter das Auswärtsspiel in Barcelona, das sie initiiert hatten, um dem Geschäft mehr Glamour und Internationalität zu verleihen. Deutsche Händler und Aussteller hatten darüber gemurrt.

Nun trägt die Rückkehr der Messe dazu bei, dass Berlin immer stärker in den Fukos der Modewelt rutscht. Mehr als 100 000 Besucher werden in der nächsten Woche zu gleich mehreren Modemessen in der Hauptstadt erwartet. Denn neben der "Bread & Butter" findet die etablierte "Premium Exhibitions" für hochwertigere Marken statt, die mit einer Rekordbeteiligung von 950 Kollektionen rechnet. Parallel nutzen Häuser wie Escada, Hugo Boss und Michael Michalsky die Modewoche, um Neuheiten auf dem Laufsteg zu zeigen. Zudem nutzen kleinere Wäschemessen und Anbieter "Grüne Mode" den Auflauf der Modewelt an der Spree.

Damit macht die Hauptstadt dem Düsseldorfer Messeveranstalter Ige-do Konkurrenz, der knapp vier Wochen später zur "CPD" einlädt. Seit Jahrzehnten gilt die Messe am Rhein als der Branchentreff, allerdings sind die Aussteller- und Besucherzahlen stark rückläufig. Vor fünf Jahren meldete die CPD noch über 2 000 Aussteller, vorigen Februar waren es 1 450. Die Gründe: zu wenig Glamour, zu wenig Einkäufer, nun kommen noch die Auswirkungen der Krise hinzu.

Angesichts der erstarkenden Konkurrenz in Berlin hat sich die CPD einen neuen Anstrich verpasst: Sie konzentriert sich künftig auf Damenbekleidung und streicht die Herrenmode. Außerdem kooperiert Igedo erstmals mit dem Münchener Messeveranstalter Munichfashion.Company sowie dem italienischen Haus Ente Moda Italia und bietet ein Segment für Marken aus dem Top-Genre. Für Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Modeverbandes German Fashion, gehen die Bemühungen in die richtige Richtung: "Düsseldorf ist und bleibt der wichtigste Handelsplatz für die deutsche Modeindustrie."

Tatsächlich tummeln sich sehr viele Einkäufer zu Messezeiten in Düsseldorf; sie pilgern aber eher zu den insgesamt 800 Showrooms der Hersteller im Medienhafen oder an der Kaiserswerther Straße. Von einer Messe als Treffpunkt der Branche zum Geschäftemachen kann längst keine Rede mehr sein.

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