Messen in Brasilien
Mit Geduld und Caipirinha

In Brasilien boomen die Messen, denn dort ist die Mittelschicht innerhalb der letzten zehn Jahre um 30 Millionen Menschen gewachsen. Das lockt die deutschen Veranstalter, doch der Markt ist schwierig.
  • 0

São Paulo, DüsseldorfWer einen automatischen Gefiedertrockner für seinen Kanarienvogel sucht, einen Laserbeamer zum Spielen für seine Katze oder etwa eine Jeans-Latzhose Unisex für den Hundewelpen - auf der Pet South America in São Paulo diese Woche werden die ausgefallensten Wünsche von Heimtierhaltern befriedigt, mit enormen Publikumsandrang: 20.000 Besucher erwartet der Veranstalter, die brasilianische Tochter der Nürnberg Messe.

Den wachsenden Erfolg der Pet South America will Geschäftsführerin Lígia Amorim nun erstmals im nächsten Jahr in Rio de Janeiro wiederholen, mit einer Spezialmesse für Tierärzte für Haustiere, der Pet Rio Vet. Sie ist zuversichtlich, dass sie für die Nürnberger erneut die Wachstumsziele früher erreichen wird, wie bereits 2011. „Die Konsumnachfrage der Brasilianer ist nach zehn Jahren Wachstum gewaltig", sagt sie. „Davon profitieren wir als Messeveranstalter besonders.“

30 Millionen Brasilianer sind in den letzten zehn Jahren aufgestiegen in die Mittelschicht. Brasiliens Binnenmarkt ist in wenigen Jahren zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für Konsumgüter wie Kosmetik, Lebensmittel oder Textilien weltweit geworden.

Die steigende Kaufkraft der Brasilianer verändert den Messemarkt in Brasilien grundsätzlich: Die Veranstalter konzentrieren sich immer mehr auf die Konsumwünsche der neuen Mittelschicht. Im Portfolio der Nürnberg Messe lässt sich das gut erkennen: Eine Pharma- und eine Kosmetikmesse sind darunter sowie eine Spezialmesse für Küche und Bad. „Mit steigendem Wohlstand integrieren die Brasilianer erstmals ihre Küche in die Wohnung oder denken über die Ausstattung eines Badezimmers nach“, beobachtet Amorim.

Am deutlichsten ist der Konsumwandel im Nordosten Brasiliens zu spüren, dem einstigen Armenhaus Brasiliens. Dort lebt mit 53 Millionen Menschen knapp ein Drittel der Brasilianer in einer Region von der dreifachen Größe Frankreichs. Dort ist mit den steigenden Einkommen die Nachfrage nach Dienstleistungen und Waren am stärksten gewachsen - entsprechend dynamisch entwickelt sich der Messemarkt.

In den Millionenstädten wie Fortaleza, Salvador oder Recife erwartet Armando Campos Mello, Präsident des Branchenverbands Ubrafe, dass schon 2013 neue Messegelände bereitstehen werden. Das ist dringend nötig, denn Brasiliens Messen platzen aus allen Nähten: In São Paulo, wo drei Viertel aller Messen stattfinden, sind die Veranstaltungsorte hoffnungslos ausgebucht. Der Messeverband rechnet deshalb damit, dass dieses Jahr erstmals die Zahl der Messen in Brasilien stagnieren wird bei etwa 200 großen Veranstaltungen unter seinen Mitgliedern.

Kommentare zu " Messen in Brasilien: Mit Geduld und Caipirinha"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%