Metro-Chef Cordes
„Russland sollte seinen Markt nicht abschotten“

Russland bleibt für die deutsche Wirtschaft ein Wachstumsmarkt. Metro-Chef Eckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, verrät im Interview, welche Branchen besonders profitieren könnten.
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BerlinWie sehen die Wachstumsperspektiven in Russland aus? 

Cordes: In diesem Jahr werden wir im deutsch-russischen Handel voraussichtlich einen neuen Rekord erzielen. Gleichzeitig stiegen allein in den ersten vier Monaten 2011 die deutschen Direktinvestitionen in Russland um 1,2 Milliarden Euro. Wenn Sie sich etwa vor Augen halten, dass Russland für unseren Handel immer noch eine geringere Bedeutung hat als die EU-Nachbarn Österreich und Belgien, wird das riesige, noch ungenutzte Potenzial deutlich. Um dieses zu erschließen, müssen wir auf beiden Seiten weiter an den Rahmenbedingungen arbeiten. 

Wie ist es um die Investitionsbedingungen bestellt? 

Die hohe Zahl deutscher Investoren zeigt, dass die Investitionsbedingungen in Russland besser sind, als es die internationalen Rankings widerspiegeln. Kritisch sehen wir das Thema „local content“. Dabei werden Investoren dazu gezwungen, immer höhere Stückzahlen in Russland zu produzieren und immer stärker auf lokale Zulieferer zu setzen. Andernfalls werden sie mit hohen Einfuhrzöllen konfrontiert. Russland sollte seinen Markt nicht abschotten, sondern öffnen, seine Staatskonzerne privatisieren, den Mittelstand fördern und so einen stärkeren Wettbewerb im Land ermöglichen. 

In welchen Bereichen gibt es große Potenziale für die deutsche Wirtschaft, gibt es sogenannte Leuchtturmprojekte? 

Der Modernisierungsbedarf in Russland ist auf nahezu allen Gebieten groß. Allein in die Modernisierung der Gesundheitswirtschaft will die russische Regierung in den nächsten Jahren 15 Milliarden Dollar investieren. Mit dem Modell „Energieeffiziente Stadt Jekaterinburg“ gibt es ein Leuchtturmprojekt im wichtigen Bereich Energieeffizienz, von dem wir uns eine Ausstrahlung auf ganz Russland erhoffen. Mit der deutsch-russischen Energieagentur Rudea, die Energiesparprojekte vorantreibt, sind wir bereits gut aufgestellt. Große gemeinsame Projekte sollte es zudem bei der Vorbereitung der Fußball-WM 2018 in Russland geben. Bis dahin sollte das Thema Visa-Pflicht zwischen Russland und der EU der Vergangenheit angehören. Hier wünschen wir uns eine stärkere Initiative von deutscher Seite. 

Muss Russland sich auch in strategischen Bereichen wie Gas, Energie stärker für Auslandsinvestoren öffnen? 

Gerade im Rohstoffbereich gibt es bereits seit einiger Zeit eine starke Bewegung hin zu mehr Kooperation, denn die finanziellen und technischen Anforderungen zur Förderung von Rohstoffen unter extremen klimatischen Bedingungen sind enorm. Deutsche Firmen wie E.ON oder BASF sind bei der Gasförderung seit vielen Jahren erfolgreich in Russland unterwegs. Wir würden uns freuen, wenn sich derartige Partnerschaften intensivieren ließen und auch andere Bereiche berühren könnten. Ich denke hier insbesondere an strategisch wichtige Metalle wie die Seltenen Erden. Das Modell der Rohstoffpartnerschaft, das wir gerade für Kasachstan realisieren, lässt sich auch auf Russland übertragen. Wir sind dazu in Gesprächen mit dem Deutsch-Russischen Rohstoffforum, das derartige Projekte vorantreiben könnte. 

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