Metro-Chef
Der schwere Weg des Olaf Koch

Es ist das erste Mal, dass der neue Chef Olaf Koch die Jahresbilanz der Metro vorstellt. Der finstere Gesichtsausdruck zeigt es: Deutschlands größter Handelskonzern steuert schweren Zeiten entgegen.
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DüsseldorfOlaf Koch muss in seinem ersten Jahr als Metro-Unternehmenschef auf Rückenwind verzichten. Die europäische Schuldenkrise, Währungseffekte und zurückhaltende Verbraucher – das hat beim Handelskonzern Spuren hinterlassen.

Heißt im Detail: Der Umsatz der Metro-Group ist im Vorjahresvergleich um 600 Millionen Euro auf 66,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 gesunken. Beim Nettogewinn blieb der Konzern hinter den Erwartungen des Marktes zurück. „Das war kein einfaches Jahr für die Metro“, sagte Koch auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. Die Aktionäre müssen sich nun mit einer Dividende auf der Vorjahreshöhe von 1,35 Euro je Stammaktie begnügen.

Schon im Dezember hatte der Handelskonzern eine Gewinnwarnung herausgegeben und seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2011 gesenkt. Der neue Vorstandschef Koch betonte, dass es dennoch gelungen sei, das bereinigte operative Ergebnis fast auf Vorjahresniveau zu halten. Die Euro-Schuldenkrise werde die Umsätze von Metro voraussichtlich auch in diesem Jahr belasten, erklärte Metro-Chef Koch. Dem wolle der Konzern aber mit eigenen Maßnahmen entgegenwirken, die sich positiv auf die Einnahmen auswirken sollen. Daher rechnet die Metro für 2012 trotzdem mit einem Umsatzanstieg.

Im wichtigen vierten Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft hat das Unternehmen einen operativen Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren von 1,3 Milliarden Euro geschrieben, im Gesamtjahr waren es 2,37 (2,4) Milliarden Euro, teilte Koch mit. Unter dem Strich blieben von Oktober bis Dezember 404 Millionen Euro, 2011 summierte sich der Gewinn insgesamt auf 631 Millionen Euro.

Die Anleger hatten anscheinend schlechtere Zahlen erwartet. Die Metro-Aktien, die zunächst im Minus gestartet waren, setzten sich mit einem Plus von 1,6 Prozent an die Dax-Spitze. „Auf den zweiten Blick waren die Zahlen - vor allem von Media-Saturn im vierten Quartal - gar nicht so schlecht. Auch der Ausblick hätte schlimmer ausfallen können“, sagte ein Händler.

Gleich zur Eröffnung der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf verkündete Koch eine Personalie: Joël Saveuse, Mitglied des Vorstands und CEO der Real Group, wird den Konzern verlassen. Genauere Gründe nannte Koch nicht, sondern nur, dass man sich in beiderseitigem Einvernehmen geeinigt habe, dass Saveuse zum 31. März 2012 die Metro verlässt. Der Franzose war im vergangenen Jahr als neuer Metro-Chef gehandelt worden. Seine Aufgaben wird Koch in Zukunft übernehmen.

Olaf Koch, 41 und damit der jüngste Chef eines Dax-Konzerns, muss nun den harten Weg des Konzernumbaus und der Ergebnisverbesserung fortsetzen. Die Metro ist zwar kein Sanierungsfall, hat aber viele Baustellen – Koch kennt diese Stellen genau.

Besondere Aufmerksamkeit will Koch in Zukunft den beiden umsatz- und ertragsstärksten Vertriebslinien Cash & Carry und Media-Saturn widmen. Bei den Großmärkten hat Koch schon im Vorfeld der Bilanzvorlage eine wichtige Entscheidung seines Vorgängers Cordes revidiert: Demnach nimmt Metro die Aufspaltung in zwei regionale Einheiten wieder zurück.

Vom 1. April an soll es eine weltweit verantwortliche Geschäftsführung für die Sparte geben. Für deren Spitze ist der Vorstand Frans Muller vorgesehen. „Wir fokussieren unsere Strukturen, um den wirtschaftlichen Herausforderungen in unseren 30 Ländern schneller entgegentreten zu können“, begründete Koch den Schritt.

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  • Naja finster geguckt hat der schon bei der Übernahme auf den Fotos, manche Menschen gucken halt immer finster...
    Das Leben ist ja auch kein Ponyhof.

  • die wichtigste entscheidung dürfte imao gewesen sein: das Tafelsilber nicht meistbietend auf den Hof zu werfen.
    das war imao eine sehr kluge entscheidung.
    auch wenn die Zahlen klar wirken, soweit das HB das eben tun kann: mit Koch dürfte eine gute entscheidung getroffen sein, die unternehmensgruppe zukunftsfähiger zu gestalten.
    dagegen dürfte die Dividende imao vernachlässigbar sein.

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