Metro kauft deutsche Wal-Mart-Läden
Das Standort-Roulette beginnt

Nach der Übernahme der deutschen Wal-Mart-Märkte durch die Metro-Gruppe stehen die heimischen Verbrauchermärkte vor einer grundlegenden Neuordnung. Schließungen sind genauso wahrscheinlich wie Tauschgeschäfte unter den großen Handelskonzernen.

DÜSSELDORF. Nicht nur die defizitären Standorte des US-Handelsriesen sind nach Meinung von Experten von Schließungen bedroht, sondern auch die weniger profitablen Real- und Extra-Märkte der Metro. „Jetzt beginnt bei der Metro ein Standort-Roulette, bei dem nur die stärksten Märkte überleben werden“, ist der renommierte Branchenberater Volker Dölle überzeugt.

Dies muss nicht zwingend zu einem umfassenden Arbeitsplatzabbau bei den betroffenen Unternehmen führen. Metro-Chef Hans-Joachim Körber denkt bereits über die Umwidmung von Standorten zu Einkaufszentren mit konzerneigenen Media-Markt- oder Saturn-Läden nach. „Für die Mitarbeiter in den Märkten wird sich nichts ändern“, versucht Körber seine Belegschaft zu beruhigen. Das „Aus“ für die derzeitige Deutschland-Zentrale von Wal-Mart in Wuppertal dürfte aber ziemlich sicher sein, ist Branchenexperte Dölle überzeugt.

Metro-Chef Körber hatte am Freitag überraschend den Erwerb des Deutschand-Geschäftes des US-Handelskonzerns Wal-Mart bekannt gegeben. Achteinhalb Jahre nach seinem Markteintritt beendet der US-Konzern damit sein verlustreiches Deutschland-Geschäft. Metro übernimmt für einen nicht genannten Preis 85 Selbstbedienungs-Warenhäuser (SB). Der führende deutsche Handelskonzern will mit dem Zukauf seine im Heimatmarkt schwächelnde Tochter Real stärken. Wal-Mart Germany erzielte 2005 mit bundesweit mehr als 11 000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2 Mrd. Euro. Das Unternehmen schreibt aber seit seinem Start in Deutschland Ende 1997 rote Zahlen.

Tauschgeschäft mit Rewe?

Nach Auffassung von Branchenexperten steht nach der aktuellen Übernahme durch die Metro die gesamte Szene der großen Verbrauchermärkte in Deutschland vor einer Neupositionierung. „Auch die Rewe-Gruppe wird sich für ihre Toom-Märkte jetzt etwas einfallen lassen müssen“, sagte Branchenfachmann Dölle. Die Rewe-Gruppe plant nach eigenen Angaben massive Veränderungen auf der Großfläche. Branchenspekulationen zufolge wollen die Kölner 40 Märkte ihrer defizitären SB-Warenhaussparte an Real abgeben und im Tausch weitere Extra-Märkte übernehmen. Beide Handelshäuser haben aber entsprechende Gespräche bisher nicht bestätigt. Doch schon einmal, 2004, sind Metro und Rewe ins Geschäft gekommen. Damals hatte Rewe 119 Extra-Märkte von Metro übernommen. Mit dem Wal-Mart-Deal setzt sich Metro vor den Kaufland-Märkten der Schwarz-Gruppe (Lidl) auf Rang eins unter den Selbstbedienungsläden mit einer Verkaufsfläche von über 5 000-Quadratmetern.

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