Metro, Rossmann, Müller und Kaufland Einzelhändler verklagen ihre Lieferanten

Nach dem Schlecker-Insolvenzverwalter verklagen laut einem Bericht nun auch Metro, Rossmann, Müller und Kaufland ihre Lieferanten. Ihnen wird vorgeworfen, sich an illegalen Preisabsprachen beteiligt zu haben.
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Das Düsseldorfer Unternehmen und andere Einzelhändler verklagen einem Bericht zufolge seine Lieferanten. Quelle: dpa
Metro

Das Düsseldorfer Unternehmen und andere Einzelhändler verklagen einem Bericht zufolge seine Lieferanten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Schadenersatzklagen des Schlecker-Insolvenzverwalters gegen frühere Lieferanten des Drogeriekonzerns finden immer mehr Nachahmer. Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ fordern derzeit zahlreiche Handelsketten Schadenersatz von Lieferanten, die an illegalen Preisabsprachen beteiligt waren.

So sieht sich der Düsseldorfer Handelsriese Metro als „Opfer einer Vielzahl von Kartellabsprachen“ und hat „Forderungen gegen Lieferanten geltend gemacht“, bestätigt ein Unternehmenssprecher. Metro-Töchter würden Vergleichsverhandlungen führen, aber auch „in einzelnen Fällen wegen kartellrechtswidriger Absprachen“ klagen. Die Drogeriekette Rossmann hat bereits Ende 2016 vor dem Landgericht Hannover zwei Klagen gegen insgesamt sechs Kosmetik- und acht Süßwarenhersteller eingereicht, darunter Mars und Haribo, bestätigt ein Gerichtssprecher.

Die größten Pleiten im deutschen Einzelhandel
Baumarktkette Praktiker
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Praktiker

Die Baumarktkette beantragte am 11. Juli 2013 beim Amtsgericht Hamburg offiziell Gläubigerschutz. Gespräche über die weitere Finanzierung des Sanierungspakets waren am Tag zuvor gescheitert. Damit war Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. Praktiker hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht - rund 30 bis 35 Millionen Euro - nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Fortwährende Rabattaktionen („20 Prozent auf alles“) hatten den Konzern 2011 an den Rande des Ruins gebracht. Es folgte die Sanierung, die vorsah, Praktiker-Märkte auf die Schwestermarke Max Bahr umzustellen. 2012 setzte Praktiker mit seinen 430 Märkten rund drei Milliarden Euro um, das reichte jedoch nicht, um die entstandenen Schulden zu tilgen. 18.000 Mitarbeiter waren von der Insolvenz betroffen.

Baumarkt Max Bahr
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Max Bahr

Am 26. Juli folgte die Praktiker-Schwestermarke Max Bahr mit über 130 Filialen in die Insolvenz. Das Hamburger Unternehmen hatte am Ende damit zu kämpfen, dass Kreditversicherer nicht länger für Warenlieferungen an die Filialen einstehen wollten.

Schicksal von Versandhändler Neckermann.de auf Messers Schneide
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Neckermann

Es war der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fielen weg. Die Mitarbeiter forderten Abfindungen; die Konzernspitze beklagte, dazu fehle das Geld. Über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätzen konnten sich Verdi und das Management nicht einigen. Sun Capital lehnte es ab, weitere Mittel für die Finanzierung zur Verfügung zu stellen. Damit war das Unternehmen pleite.

Bundesagentur sieht Chancen fuer Schlecker-Mitarbeiter auf neue Jobs
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Schlecker

Ende Februar 2012 meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Bereits im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nannte Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Da sich bis Anfang Juni 2012 kein Investor für Schlecker gefunden hatte, musste Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das endgültige Aus der Drogeriemarkkette verkünden. Die Pleite der Drogeriekette hat nun ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts.

Billionaire Berggruen smiles after he received a name sign of Karstadt at a Karstadt store located on the Kurfuerstendamm boulevard in Berlin
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Karstadt

Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor - Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - rutschte 2009 in die Pleite. Der Geschäftsbereich Warenhaus mit den Karstadt-Häusern ging für fünf Millionen Euro im Juni 2010 an die Holding des deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und war damit vorerst gerettet. Im August 2014 wurde die Komplettübernahme von Karstadt durch die Signa Holding des österreichischen Investors René Benko bekanntgegeben.

huGO-BildID: 14611620 Quelle-Kataloge sind am Freitag, 19. Juni 2009, vor einem Quelle-Shop in Frankfurt am Main gestapelt. Bei dem insolventen Versa
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Quelle

Ein weiteres Opfer der Arcandor-Pleite: Von den 50ern bis in die 1990er Jahre stand Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel. Im Juni 2009 kam das Aus. Kein Investor wollte das Versandhaus, das bereits seit 1999 zum Karstadt-Konzern gehörte. Seit August 2011 können Quelle-Fans unter www.quelle.de bei einer Tochter des Otto-Versands bestellen. Die Marke Quelle lebt nur noch im Internet weiter.

Drogeriemarktkette IhrPlatz insolvent
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IhrPlatz

Die Schlecker-Tochter wurde mit in die Insolvenz der Drogeriekette gerissen. Betroffen von der Pleite waren rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter. Seit 2007 gehörte IhrPlatz zu Schlecker. Davor waren die Märkte schon einmal insolvent - und konnten sich erfolgreich sanieren. Ursprünglich sollte IhrPlatz die Schlecker-Premiummarke werden. Nach der Pleite der Unternehmensmutter Schlecker wurde noch nach einem Investor für IhrPlatz gesucht. Doch alle Bemühungen waren vergebens.

Die Supermarktkette Kaufland nimmt vor dem Landgericht Stuttgart derzeit den Konsumgüterhersteller Unilever in Regress. Das Drogerie-Unternehmen Müller geht dort gegen Hersteller wie Beiersdorf vor. Der Streitwert betrage in dem Fall 30 Millionen Euro, teilte ein Sprecher des Landgerichts Stuttgart auf Anfrage mit.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz fordert von früheren Lieferanten insgesamt 335 Millionen Euro ohne Zinsen. „Wir gehen gegen die Beteiligten aus fünf Kartellen gerichtlich vor, darunter sind Hersteller von Kaffee, Süßwaren, Drogerieartikeln und Waschmitteln“, hatte der Insolvenzverwalter im Januar gegenüber der „Wirtschaftswoche“ erklärt.

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