Metro übernimmt Märkte
Wal-Mart zieht sich aus Deutschland zurück

Nach knapp 9 Jahren gibt der weltgrößte Einzelhandelskonzern Wal-Mart in Deutschland auf. Die Geschäfte und Mitarbeiter übernimmt die Metro. Dabei hatte der Deutschland-Chef von Wal-Mart den kompletten Rückzug vor einem Monat noch als undenkbar abgetan.

HB DÜSSELDORF. Es handele sich um 85 Geschäfte, wie Metro am Freitag mitteilte. Sie sollen in die Metro-Tochter Real eingegliedert werden. „Damit wird Real in seinem Segment Marktführer in Deutschland“, sagte Metro-Pressesprecher Albrecht von Truchseß gegenüber Handelsblatt.com. Real ist derzeit in Deutschland mit mehr als 550 SB-Warenhäusern präsent. Die übernommenen Wal-Mart-Märkte erzielten 2005 einen Umsatz von rund 2 Mrd. Euro; 11&nbsp000 Mitarbeiter arbeiten dort. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt einer kartellrechtlichen Genehmigung.

Durch die Übernahme erwirbt die Metro auch 19 Immobilien von Wal-Mart. Alle anderen Märkte sind gemietet; die Metro übernimmt die Mietverhältnisse. Auch die drei Logistikzentren sind im Kaufpaket enthalten, wobei die Metro noch keine Aussage über den Bestand der Verteilerpunkte treffen wollte. Der Handelskonzern verspricht sich gerade aus der Bündelung von Logisik und Einkauf Einspareffekte.

Angaben über den Kaufpreis wurden zwar nicht gemacht. Die Übernahme werde aber einen positiven finanziellen Einmal-Effekt nach sich ziehen, teilte die Metro mit. Dieser sei in der bisherigen Prognose noch nicht berücksichtigt. Metro-Pressesprecher Truchseß erläuterte: „Der Wert übersteigt den Kaufpreis, wobei vor allem die Immobilien positiv zu Buche schlagen.“ Daraus ergebe sich ein Buchgewinn.

Aus unternehmensnahen Kreisen verlautete, Metro streiche einen Sonderertrag in dreistelliger Millionenhöhe ein. „Metro übernimmt die Warenhäuser schuldenfrei“, hieß es. Branchenexperten wiesen jedoch darauf hin, dass Metro noch Geld in die Restrukturierung stecken müsse. Große Investitionen in die Geschäfte selbst dürften jedoch nicht vonnöten sein, denn Wal-Mart hat gerade erst den überwiegenden Teil der Läden renoviert.

Milliardengrab Deutschland

Wal-Mart zieht mit dem Verkauf einen Schlussstrich unter das gescheiterte Projekt, im deutschen Einzelhandelsmarkt Fuß zu fassen. Der US-Konzern gab bekannt, dass er aus dem Verkauf der Deutschland-Aktivitäten einen Verlust vor Steuern von etwa 1 Mrd. Dollar erwarte.

1997 hatte Wal-Mart mit dem Kauf von 21 Wertkauf-Häusern erstmals deutschen Boden betreten, ein Jahr später folgten 74 Interspar-Märkte. Seither ist der in allen anderen Ländern erfolgreiche Handelsriese in Deutschland aus den roten Zahlen nicht herausgekommen. Auch stieß der Verhaltenskodex der US-Amerikaner auf starken Widerstand bei den deutschen Gewerkschaften. Per Gericht wurde Wal-Mart verboten, seinen Angestellten Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz zu untersagen.

Wal-Mart hatte im Juni mitgeteilt, die Schließung unrentabler Standorte zu prüfen. Geschäfte in Sigmaringen und Düsseldorf wurden bereits dicht gemacht. Einen kompletten Rückzug aus Deutschland hatte der hiesige Chef David Wild allerdings ausgeschlossen. Das Land sei nach den USA und Japan der drittgrößte Einzelhandelsmarkt der Welt, hatte er gesagt: „Als globales Unternehmen können wir diesen Markt nicht ignorieren.“

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