Metzgereien „Wir sind das Mutterland der Wurst“

Thüringer Rostbratwurst oder luftgetrocknete Salami: Bayern und Thüringen bilden das Mekka für Metzger. Nirgendwo gibt es mehr geschützte Wurstsorten. Momentan mangelt es allerdings an Nachwuchs.
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Frische Fleischprodukte sind bei den Konsumenten besonders beliebt. Doch was passiert, wenn der Nachwuchs ausbleibt? Quelle: dpa
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Frische Fleischprodukte sind bei den Konsumenten besonders beliebt. Doch was passiert, wenn der Nachwuchs ausbleibt?

(Foto: dpa)

Erfurt/FrankfurtEs riecht deftig im Metzger-Laden um die Ecke: Fein aufgeschnittene Wurstsorten, Schinken satt und frisch geräucherte Leberwurstringe sorgen für das Flair, das traditionelle Handwerksbetriebe ausmacht. Doch wie lange noch? „Verschwindet bald unsere Kiez-Fleischerei?“, sorgen sich nicht nur Berliner in Reinickendorf. Auch anderswo in Deutschland steht das Metzgerhandwerk unter Druck - durch den Wettbewerb mit Supermärkten, sinkende Azubizahlen, fehlende Nachfolger für alteingesessene Betriebe, aber auch den Trend zu vegetarischer Ernährung.

Quasi als Schlaraffenland für Wurst- und Fleischliebhaber dürften da Thüringen und Bayern gelten. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es – bezogen auf die Einwohnerzahl – so viele Fleischer-Fachgeschäfte. Nach Zahlen des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV) in Frankfurt am Main sind es in Thüringen 46 Geschäfte pro 100.000 Einwohner, in Bayern 43. Berlin kommt dagegen nur auf 5, Nordrhein-Westfalen auf 16, Mecklenburg-Vorpommern auf 19. In Baden-Württemberg sind es immerhin noch 32 und in Sachsen 38.

Fachleute sind sich einig: Thüringen und Bayern, manche rechnen auch Nordhessen dazu, sind Deutschlands Wurstbastionen. Während DFV-Sprecher Gero Jentzsch die Metzgerhochburgen dezent mit der „stolzen und ausgeprägten Tradition der handwerklichen Wurstherstellung“ begründet, sagt Thüringens Landesinnungsmeister Günter Grüner: „Wir sind das Mutterland der Wurst.“

Stolz ist Thüringen vor allem auf seine Bratwurst. Sie steht ebenso wie luftgetrocknete „Feldgieker“, Rot- und Leberwurst sowie Greußener Salami als regionale Spezialität unter dem Schutz der EU - und darf andernorts nicht nachgemacht werden. Das hat den Thüringer Bratwurstabsatz in den vergangenen Jahren verdoppelt.

Von Pferdelasagne und Ehec-Sprossen
2017: Läusegift auf Eiern
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Der Skandal um möglicherweise mit dem Insketizid Fipronil belastete Eier beschäftigt Deutschland in diesem Sommer. Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Fipronil war über das Anti-Läusemittel Dega-16 in die Eier gelangt. Das Mittel beruht eigentlich nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, obwohl das Mittel für die Geflügelzucht verboten ist. Aldi nahm unterdessen sämtliche Eier aus dem Verkauf.

2016: Plastik im Schokomantel
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Abermillionen Schokoriegel mussten in die Werkstatt – sozusagen. Nachdem eine Kundin in einem Mars-Riegel auf ein Stück Plastik gebissen hatte, begann der Hersteller mit einer gigantischen Rückruf-Aktion. Sie galt für alle Staaten der Europäischen Union, mit Ausnahme von Bulgarien und Luxemburg. Betroffen waren Riegel der Marken Mars und Snickers; zudem alle Produkte der Marke Milky Way Minis und Miniatures sowie mehrere Celebrations-Mischungen mit diesem Mindesthaltbarkeitsdatum.

2016: Glyphosat und Malz, Gott erhalt's
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Pro Jahr konsumiert ein Deutscher durchschnittlich 107 Liter Bier. Und damit nicht nur, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, Wasser, Hopfen, Hefe und Malz, sondern auch noch eine gerüttelte Menge Glyphosat – das weltweit meist eingesetzte Pestizid. In deutschen Bieren wurden Mikrogrammwerte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser gemessen, im krassesten Fall 300-fach über dem Grenzwert. Direkte Gefahr für die Gesundheit besteht allerdings nicht.

2014: Dänischer Wurstskandal erreicht Deutschland
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In Dänemark stellte sich 2014 heraus, dass Produkte des Wurstherstellers Jørn A. Rullepølser mit Listerien-Bakterien verseucht waren. Listerien sind für gesunde Menschen in aller Regel ungefährlich, allerdings ein Risiko für immungeschwächte Personen und schwangere Frauen. In Dänemark starben innerhalb von 30 Tagen zwölf Menschen, 15 weitere erkrankten. Der Betrieb wurde geschlossen, die Produkte zurückgerufen. 160 Kilogramm waren auch an einen deutschen Supermarkt in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gegangen – sie waren bereits verkauft, bevor sie sichergestellt worden konnten. Verbraucher wurden gebeten, die Wurst zu vernichten oder zurückzugeben.

2014: Käse mit Coli
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Das Unternehmen Vallée-Verte rief die zwei Käsesorten „Saint Marcellin“ und „Saint Felicien“ zurück. In den Produkten der französischen Käserei Fromageries L'Etoile wurden Coli-Bakterien nachgewiesen. Diese können innerhalb einer Woche nach Verzehr zu teils blutigem Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie Fieber führen. Gerade bei Kindern besteht außerdem die Gefahr von Nierenkomplikationen.

2014: Von wegen Edel-Hähnchen
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2014 deckte die „Zeit“ auf: Das Neuland-Gütesiegel, gegründet vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, als ganz besonderes Qualitätssiegel hielt bei Brathühnchen nicht so ganz, was es versprach. Eigentlich sollten Neulandtiere aus Freilandhaltung stammen, gefüttert mit Körnern aus der Region. Tatsächlich stammen in Norddeutschland viele Tiere aus einem ganz gewöhnlichen industriellen Schlachtbetrieb in Niedersachsen.

2013: Pferd in der Lasagne
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Zusammen mit der Ehec-Epidemie wohl der aufsehenerregendste Lebensmittel-Skandal der vergangenen Jahre: 2013 stellte sich heraus, das Rindfleisch in mehreren Fertiglasagnen aus der Tiefkühlung war eigentlich Pferd. Im Anschluss wurden in Labortests rund 70 Fälle von falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen. Die größte Menge an Pferdelasagne gab es in Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder waren Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

„So viele EU-geschützte Wurstsorten wie Thüringen hat meines Erachtens kein anderes Bundesland“, sagt Uwe Keith, Geschäftsführer des Herkunftsverbandes Thüringer und Eichsfelder Wurst. Europaweit geschützt ist auch eine Bratwurstspezialität aus dem benachbarten Franken, die „Nürnberger“.

Unterschiede zwischen Bayern und Thüringen
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