Mexiko
Die verheerenden Folgen des Avocado-Hypes

Ob als Dip, Salat oder Beilage – die Avocado ist beliebter denn je. Im größten Anbauland Mexiko führt der Boom aber zur illegalen Abholzung von Wäldern. Umweltschützer warnen auch vor den Folgen für das Sozialgefüge.

Mexiko-StadtDie Avocado ist der neue Star im Gemüseregal. Ob als Guacamole, Avocado-Toast oder im Salat – die Frucht steht derzeit in jedem Hipster-Lokal zwischen Flensburg und Konstanz auf der Speisekarte. Das Berliner Café Ca.B.Slam bietet ein Eiergericht namens „Douchy Hipster“ (Widerlicher Hipster) an – natürlich mit Avocado. In Foodblogs gibt es Tipps für den „Apfel-Avocado-Smoothie“ oder den „Miso-Tahini-Avocado-Toast mit schwarzem Sesam“. Selbst die dem Lifestyle-Hype unverdächtige Supermarktkette Edeka warb zuletzt bei Instagram mit schicken Fotos für ihre Avocados.

Die US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow veröffentlichte in ihrem neuen Kochbuch „It's all easy“ gleich drei Rezepte für Avocado-Toast. Bei Instagram gibt es mehr als 190.000 Einträge zu dem neuen Trend-Food – wahlweise garniert mit Kresse, Paprika, Tomate oder Ei. Künstlerisch Ambitionierte schneiden Röschen oder Fächer aus dem weichen Fruchtfleisch.

Avocados sind reich an ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E, Kalium und Folsäure. Ihnen wird deshalb nachgesagt, dass sie helfen können, den Blutzucker zu kontrollieren, die Haut weich zu machen und sich positiv auf das schlechte Cholesterin auszuwirken. Fest steht: Die Avocado versprüht reichlich Exotik und hübscht sogar ein einfaches Butterbrot auf.

Der Hype um die Avocado befeuert die Nachfrage und treibt die Preise in die Höhe. Im weltgrößten Anbauland Mexiko warnen Wissenschaftler und Umweltschützer aber bereits, dass der globale Heißhunger auf Avocado zu illegaler Abholzung führt. Betroffen ist vor allem der Bundesstaat Michoacán im Westen des Landes – dort werden rund 40 Prozent aller Avocados weltweit angebaut und geerntet.

„Pro Jahr werden 1500 bis 4000 Hektar Wald gerodet, um Platz für Avocado-Felder zu schaffen“, sagt Jaime Navia von der mexikanischen Umweltschutzorganisation Gira. Zudem litten die Menschen unter den Folgen der intensiven Landwirtschaft. „Der Einsatz von Pestiziden in den Monokulturen verschmutzt das Trinkwasser“, sagt Navia.

Auch die Regierung zeigt sich besorgt über die illegalen Abholzungen, auch wenn sie das Ausmaß für geringer hält als Wissenschaftler und Umweltschützer. „Die Avocados wachsen unter den Nadelbäumen“, erklärt Mario Tapia Vargas vom Nationalen Forschungsinstitut für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Fischfang. „Früher oder später werden die Bauern die Bäume fällen, damit die Avocadopflanzen mehr Sonnenlicht bekommen.“

Zwischen 2000 und 2010 vergrößerte sich die Anbaufläche in Mexiko von 95.000 Hektar auf über 134.000 Hektar. Die starke Nachfrage und steigende Preise machen es für die Bauern ausgesprochen attraktiv, Avocado anzubauen. In Mexiko wird die Frucht auch „grünes Gold“ genannt.

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Staatsmacht stößt an ihre Grenzen

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