Michael Frenzel
Tui-Chef offenbar auf Werbetour für Hapag-Lloyd in Asien

Kreisen zufolge ist Tui-Chef Michael Frenzel nach Asien aufgebrochen, um für die zum Verkauf stehende Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd zu werben. Das Interesse an dem Schifffahrtskonzern ist in Fernost offenbar größer als hierzulande: Nur ein Interessent stammt aus Deutschland.

HB HANNOVER. Er mache in Singapur, Hongkong und Tokio Station und übergebe interessierten Unternehmen den Verkaufsprospekt für die Reederei, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person Reuters am Montag. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. "Tuiverschickt diese Woche das Info-Memorandum zu Hapag-Lloyd", sagte ein Sprecher.

Tui will auf Druck von Anteilseignern die Schifffahrtssparte verkaufen und könnte dafür Branchenexperten zufolge bis zu fünf Mrd. Euro bekommen. Hapag-Lloyd ist die fünftgrößte Containerreederei der Welt, 2007 setzte sie mit ihren 140 Containerschiffen sechs Mrd. Euro um.

In Singapur stattet Frenzel den Kreisen zufolge der Reederei Neptune Orient Lines (NOL) einen Besuch ab. Erste Kontakte habe es bereits im vergangenen Jahr gegeben. Branchenexperten zufolge gehört NOL zu den aussichtsreichsten Bietern. NOL fährt mit 120 Schiffen und erwirtschaftete 2007 gut acht Mrd. Dollar. Ein Zusammenschluss der auf Transatlantik- und Europa-Asien-Routen spezialisierten Tui-Tochter mit der vor allem im Pazifik tätigen NOL halten viele für sinnvoll. In Deutschland könnte ein Verkauf an die mehrheitlich im Besitz des Staatsfonds Temasek befindliche NOL allerdings Kritik hervorrufen.

In Hongkong werde Frenzel Hapag-Lloyd bei der Containerreederei Orient Overseas (OOCL) anpreisen, sagte die mit dem Vorgang vertraute Person. OOCL verfügt über gut 80 Containerschiffe und setzte in der Sparte 2007 gut fünf Mrd. Dollar um.

In Tokio wird Frenzel den Kreisen zufolge bei Japans Marktführer Nippon Yusen KK (NYK) vorsprechen. Mit Containerschifffahrt macht NYK, die über rund 100 Containerschiffen verfügt, allerdings nur ein Viertel des Geschäfts. Mehr Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen mit Schüttgut- und Spezialfrachtern.

Nicht auf Frenzels Besuchsliste stünden die japanischen Mitsui OSK Lines (MOL) und Kawasaki Kisen Kaisha (KKK), hieß es in den Kreisen. Beide gehören in der Containerschifffahrt nicht zu den größten Anbietern der Welt.

In Asien kommen Branchenexperten zufolge auch China Shipping Container Lines(CSCL) aus Schanghai, Cosco (Peking) sowie STX Pan Ocean und Hyundai Merchant Marine (beide aus Südkorea) als etwaige Bieter für Hapag-Lloyd in Betracht. In Europa werden Weltmarktführer Maersk aus Dänemark, MSC aus der Schweiz und die französische CMA CGM als mögliche Interessenten gehandelt.

Anders als die Reedereien kann der bisher einzige bekannte deutsche Bieter - eine Investorengruppe aus Hamburg - wohl wenig Synergien durch einen Kauf von Hapag-Lloyd erzielen. Wer genau zu den Interessenten um den persönlich haftenden Gesellschafter der Hamburger Privatbank M.M. Warburg, Christian Olearius, und den Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne gehört, ist bislang unklar.

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