Michael Otto
„Firmen brauchen ehrgeizige Klimaschutz-Vorgaben“

Wie viele andere blickt der Michael Otto mit Skepsis auf die anstehenden Klimakonferenz in Kopenhagen. Abgehakt hat der Unternehmer den Gipfel aber noch nicht. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die verbleibenden Möglichkeiten, das Umweltengagement seines Unternehmens – und darüber, was ihn persönlich ärgert.
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Handelsblatt: Herr Otto, ein Scheitern der Klimakonferenz scheint kaum noch abzuwenden. Haken Sie Kopenhagen ab?

Otto: Nein. Wir dürfen die Möglichkeit einer Übereinkunft auch nicht zu schnell abschreiben. Viele Regierungen wollen Kopenhagen zu einem Erfolg machen. Die Teilnahme der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ein wichtiges Signal. Der Besuch von US-Präsident Obama in China hat ebenfalls Fortschritte gebracht.

Dennoch blockiert Peking...

...aus europäischer Sicht könnte man das meinen. Die Chinesen machen aber mehr, als hierzulande wahrgenommen wird. China will das Ziel, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bis zum Jahr 2018 um ein Viertel zu reduzieren, vom Wirtschaftswachstum entkoppeln. Die Chinesen haben erkannt, dass sie handeln müssen und planen sogar CO2-freie Städte. Der Vorteil ihres dirigistischen Systems ist, dass Dinge schnell umgesetzt werden können. Ich bin sicher, dass China Fortschritte machen wird.

Wie nachhaltig ist die Wende in der US-amerikanischen Klimapolitik?

Die USA sind in der Tat ein Problem. Präsident Obama hat zwar beim Klimaschutz eine Wendung um 180 Grad vollzogen. Doch schon seine Gesetzesvorhaben, die eine Reduktion von Kohlendioxid in überschaubarem Rahmen vorsehen, stecken im Senat fest. Die Wirtschaftslobby nimmt starken Einfluss auf die amerikanische Klima-Politik. Obama selbst ist guten Willens. Die Gefahr besteht darin, dass seine Regierung die Klimaziele in Kopenhagen unterschreibt, der Senat ihre Umsetzung dann aber verhindert.

Was kann Europa vor diesem Hintergrund tun?

Die EU muss sich klar bekennen, auch wenn andere Nationen, wie zum Beispiel die USA erst später nachziehen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass alle gleichzeitig handeln. Es ist besonders Deutschland in der Vergangenheit gut bekommen, beim Klimaschutz voranzugehen. Bei Technologien für den Umweltschutz sind wir heute Weltmarktführer. Die grüne Industrie beschäftigt hierzulande inzwischen mehr Menschen als die Autoindustrie.

Ihr Optimismus in Ehren - welche Folgen hat es, sollte Kopenhagen wie befürchtet scheitern?

So schnell wird eine solche Zahl an Spitzenvertretern verschiedener Länder nicht wieder zusammen kommen. Auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen können sicher nicht alle Fragen beantworten werden, aber es muss ein klarer Fahrplan mit verbindlichen Einsparungszielen verabschiedet werden. Für einen erfolgreichen globalen Klimaschutzes wäre ein ambitioniertes Kyoto-Nachfolgeabkommen notwendig.

Was tun die deutschen Unternehmer?

Wir haben bereits vor drei Jahren die Initiative "2 ° - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz" gegründet. Lösungsorientierte Unternehmerpersönlichkeiten haben sich mit dem Ziel zusammengeschlossen, einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels zu leisten. Erklärtes Ziel der Initiative ist es unter anderem, die Politik darin zu unterstützen, ehrgeizige Klimaschutzziele umsetzbar und marktwirtschaftlich zu gestalten. Außerdem haben auch zahlreiche deutsche Unternehmen das Kopenhagen-Communique mit beschlossen, in dem rund 1000 Unternehmen aus aller Welt von der internationalen Politik ein ambitioniertes und verlässliches Klimaabkommen fordern. Dies ist die bisher größte koordinierte Unterstützungsaktion internationaler Unternehmenslenker und Unternehmerinitiativen für einen globalen Klimaschutz. In New York wurde es UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und mehr als 140 Regierungschefs übergeben.

Was wollen Sie erreichen?

Eine Reduktion der CO2-Emissionen um 40 Prozent bis zum Jahr 2020. Das Ziel der EU von 20 Prozent reicht nicht aus. Bis zum Jahr 2050 fordern wir einen Rückgang des Ausstoßes um 85 Prozent.

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  • bei allem positiven, sinnvollen und nachhaltigem Wirken von Herrn Otto, bleibt eine "Handelsfirmenkritik". Es wird nicht in Deutschland und wahrscheinlich wenig in der EU produziert, sondern wie bei Textilien üblich (Ausnahme z.b. TRiGEMA)im vornehmlich asiatischen Ausland. Vieles in diesen Ländern liegt noch im Argen ... von A wie Arbeitsschutz bis U wie Umweltschutz. Ein Wirken in diesen Ländern ist daher auch imagefördernd. Ehrlicher wäre es aber auch zu wirken, dass z.b. ein Teil der Fertigung in Europa und auch bei z.b. TRiGEMA (T-shirts) als OEM erfolgt. Das wäre auch ein beispielsweise ebenso ein Engagement wert.

  • ich finde, Herr Otto hat durchaus recht mit seinen Zielen und Vorgaben und seinem Optimismus, dass Kopenhagen doch nicht scheitern wird.
    Gut finde ich auch die freiwillige Aktion von utopia, an der sich auch Otto beteiligt und sich selbst nach Außen zu nachhaltiger Unternehmensführung verpflichtet. Das ist der richtige Weg, auf die Regierung ist in Sachen Förderung solcher Maßnahmen anscheinend kein Verlass.

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