Michael Silberberger
Lernen, Lernen, Leben

Zum Beine hochlegen hat er keine Zeit: Michael Silberberger ist nicht nur ein Weiterbildungs-Junkie. Mit seinem Onlineportal Semigator will er nichts weniger, als den gesamten Fortbildungsmarkt revolutionieren. Sein Antrieb ist dabei nicht Geld, sondern der Wille zur Veränderung.

DÜSSELDORF. Sie tragen tatsächlich alle diese grünen Krawatten - ganz so wie auf den Fotos im Internet. Michael Silberberger begrüßt Besucher mit neongrünem Schlips, sein Finanzvorstand trägt auch Neongrün, der Vorstand für Portalentwicklung ebenso, und auch die anderen zwei Mitgründer, die herbeieilen - sie alle haben ihre grell grüne Firmenfarbe so verinnerlicht, dass sie sie stolz nach außen tragen. Selbst in diesem abgelegenen Büroloft im hessischen Niemandsland an der Peripherie von Wiesbaden. Es wirkt etwas übereifrig, wie Hostessen-Dresscode. Aber es ist auch so einprägsam, dass man nach diesem Besuch Businesskrawatten im Granny-Smith-Stil unweigerlich mit der Semigator AG verbindet.

Von Selbstmarketing müssen Michael Silberberger und seine Kollegen ja auch was verstehen. Schließlich verkaufen sie Persönlichkeiten. Die wiederum aus anderen Persönlichkeiten machen wollen. Mit Semigator.de hat Silberberger ein Internetportal geschaffen, das Trainer und Seminare vermittelt: deutschlandweit, zu den unterschiedlichsten Themen, mehr als 200 000 Seminare stehen bereits in der Datenbank. Und natürlich zielen sie alle - ob Zehn-Finger-Schreibkurs oder Schlagfertigkeits-Coaching, ob Steuerfachseminar oder Leadership-Training - darauf ab, ihre Teilnehmer zu stärken, deren Wissen, Fähigkeiten, Charakter. Zielgruppe sind letztlich alle: vom CEO bis zur Hausfrau. Jeder Wissbegierige soll was für sich finden.

Wenn Silberberger von diesem Konzept, von seinen Lieblingstrainern und der Vielseitigkeit der Seminare erzählt, steigert er sich in eine sympathisch kindliche Euphorie. "Hammer" ist dann ein Wort, das häufig fällt, "Superhammer" die Steigerung. "Ich glaube fest an lebenslanges Lernen", sagt er und umschreibt damit den Gedanken hinter Semigator. Der 36-Jährige bezeichnet sich selbst als "bildungshungrig", und so wurde die Firmenidee auch aus eigener Not geboren. Als er mit einem Freund, seinem jetzigen Aufsichtsratschef, ein Weiterbildungsvideo schaute, kam ihm der Gedanke, warum Weiterbildung so teuer sein müsse. Und als er Angebote im Internet recherchieren wollte, sah er, dass dies nur schwer möglich war. Also kam er von einer Frage zur nächsten, und am Ende stand das Konzept: ein Seminar-Vermittlungsportal, wie man es aus der Hotel- oder Flugbranche kennt. Seit April ist die Seite online. In frischem Frühlingsgrün.

Man kann Seminare nach Themen, Orten, Zeiträumen und Preisen suchen. Je nach Suchwort ist die Angebotsliste dann aber schon mal viele Seiten lang. Hier sollen demnächst detaillierte Kundenbewertungen die Auswahl erleichtern. Um die Hemmschwelle für den Seminarbesuch zu senken, gibt es eine Geld-zurück-Garantie: Wenn ein Teilnehmer in den ersten Stunden merkt, dass er unzufrieden oder unterfordert ist, kann er gehen und zahlt nichts. "Wir wollen den gesamten Seminarmarkt verändern", verspricht Silberberger, "mit mehr Transparenz, mehr Sicherheit für die Teilnehmer und günstigeren Preisen." Jeder Trainer verpflichtet sich, seine Seminare nirgendwo billiger anzubieten. Und das, obwohl im Semigator-Preis rund zehn Prozent Provision enthalten sind. Darüber hinaus finanziert sich das Start-up, das zurzeit rund 20 Mitarbeiter hat, durch das Gesellschafterkapital von Silberberger und seinem Kompagnon sowie durch Investoren, zu denen mit einer Beteiligung von 25,1 Prozent auch die Online-Unit der Verlagsgruppe Handelsblatt gehört.

"Mein Antrieb als Unternehmer ist nicht Geld, sondern der Wille zur Veränderung", verkündet Silberberger glaubhaft. Als der Industriekaufmann mit MBA-Diplom seinerzeit angestellt im Vertrieb von Xerox arbeitete, fuhr er einen Audi A4; als er seine erste Firma Go Ahead gründete - die andere Gründer bei der Einführung der Geschäftsform Limited (Ltd.) beriet -, stieg er auf einen VW Polo für 400 Mark um. Und auch um die Büromiete für Semigator hat er hart gefeilscht. Eigentlich zu teuer, aber das Loft sollte es sein. Wenn man teils 40 Stunden arbeitet und sich nur mit Cola light und Haribo wach hält, will man es wenigstens schön haben.

Gerade hat ein Kunde sein 16. Seminar in Folge gebucht. Silberberger ist begeistert. "Superhammer!" Mit einem Guthaben-System, genannt Bildungscard, können die Teilnehmer auch Geld ansparen, um es später für Seminare einzulösen. Unternehmen wiederum bietet Semigator an, aus dem Wust staatlicher Weiterbildungs-Förderprogramme die passenden zu recherchieren, damit sie ihren Mitarbeitern das eine oder andere Training via Semigator bewilligen. "Wir sind hier auch Missionare", sagt Silberberger, "wir wollen, dass Weiterbildung sexy wird."

Dabei streift der Blick vom grünen Schlips auf das Ensemble leuchtend grüner Kaffeepötte hinter ihm. Und auf die passend grünen Servietten daneben. Weiterbildung ist anscheinend mehr als ein Karrierefaktor, Weiterbildung ist bei Michael Silberberger ein Lebensgefühl - Lifestyle. Und ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

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