Mietexplosion
Wenn Luxusmeilen zum Milliardengrab werden

Trotz Rezession klettern die Mieten auf den internationalen Prachtmeilen im Rekordtempo. Kaum ein Händler verdient dort noch Geld. Ganz egal ob es sich um Champs-Elysées, Bond Street oder Via Monte Napoleone handelt.
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DÜSSELDORF. Das Gerangel war kurz und teuer. Als der Juwelier Asprey Anfang des Jahres seinen Laden in der New Bond Street 169 räumte, entbrannte kurz darauf ein beispielloses Bietergefecht. Nicht weniger als fünf Luxusketten überboten sich gegenseitig, um den Standort ergattern zu können. Am Ende erhielt Piaget den Zuschlag - für eine angebliche Jahresmiete von 7 345 Euro pro Quadratmeter. Der Deal der Richemont-Tochter macht die Londoner Einkaufsstraße damit zur teuersten Europas.

Der Run auf die Luxusmeilen aber könnte für viele Filialisten zur Gefahr werden. Schon jetzt führen die überbordenden Mieten in zahlreichen Metropolen dazu, dass sich die Prachtmeilen weltweit für Einzelhändler zu einem Milliardengrab entwickeln. Wie eine aktuelle Studie des Immobilienmaklers Cushman & Wakefield zeigt, stiegen die Mieten der zehn begehrtesten Einkaufsstraßen - trotz Rezession - in den vergangenen zwölf Monaten bis Juni um bis zu 19,4 Prozent. Für unter 7 000 Euro Jahresmiete pro Quadratmeter sind Handelsflächen in den Toplagen von Paris, Mailand oder London kaum noch zu haben.

Dabei übersteigen dort die Mieten bereits jetzt bei vielen Luxusanbietern den kompletten Ladenumsatz. So ließ der Luxusschneider Hugo Boss neulich durchblicken, dass seine Shops im Schnitt lediglich Waren im Wert von 6 000 Euro pro Quadratmeter verkaufen.

Mieten übersteigen Umsatz

An New Yorks Glitzermeile Fifth Avenue, dem mit einer Jahresmiete von 16 257 Euro pro Quadratmeter teuersten Einkaufspflaster der Welt, ist inzwischen bei einigen Händlern Panik ausgebrochen. Weil gleichzeitig die Umsätze rezessionsbedingt sinken, greifen Luxusanbieter zu Aktionen, die früher undenkbar schienen. Mit Rabatten von bis zu 75 Prozent hat Saks Fifth Avenue die gesamte Branche gegen sich aufgebracht. Prominente Adressen mussten zudem aufgeben: Der Juwelier Fortunoff, der lange in der Nachbarschaft von Prada, Tiffany und Louis Vuitton residierte, ging im Konkurs unter. Auch der älteste US-Herrenausstatter Brooks Brothers ist von der Fifth Avenue verschwunden.

Selbst in Deutschland, wo Toplagen im Vergleich zum Ausland noch vergleichsweise günstig zu haben sind, dürfte es Einzelhändlern auf den Glitzermeilen immer schwerer fallen, schwarze Zahlen zu erreichen. Münchens Innenstadt etwa, der Spitzenstandort in Deutschland, setzt pro Quadratmeter Verkaufsfläche 6 540 Euro um. Wer als Händler dort in der Kaufinger- oder Maximilianstraße 3 700 Euro Quadratmetermiete zu bezahlen hat, dem bleibt am Ende für Wareneinsatz, Personal und Betriebskosten kaum noch etwas übrig.

Um etwa die hohen Mieten an den Pariser Champs Elysées zu erwirtschaften, rechnet Immobilienberater Pierre Raynal vor, müssen die Geschäfte 13 000 bis 14 000 Euro pro Jahr und Quadratmeter umsetzen. Allein für kleinflächige Luxusläden, die wie Louis Vuitton oder Bottega Veneta 20 000 Euro pro Quadratmeter umsetzen, geht nach Ansicht von Experten die Rechnung auf.

"Flagship-Stores dienen zur Demonstration der Marke, kosten ein Schweinegeld und gehören eigentlich zum Marketing-Etat", sagt der Kölner Handelsexperte Ulrich Eggert. Doch kaum eine Luxuskette kann es sich nach Ansicht von Fachleuten derzeit leisten, in den wichtigsten Straßen der internationalen Metropolen zu fehlen. "Diese Vorzeigeläden sind wichtig für die Kommunikation der Markenwerte und für die Reputation", begründet Armando Branchini, Präsident der auf den Luxussektor spezialisierten Mailänder Beratung Intercorporate, den Aufwand.

Nicht einmal Quadratmeterpreise von mehr als 600 Euro pro Monat schrecken die Glamour-Branche deshalb. "Die Nachfrage ist enorm und von der Krise völlig unbeeinträchtigt", sagt der Londoner Cushman-Berater Peter Mace. Allein die selbstständigen Franchisenehmer, die noch vor 15 Jahren die Bond Street bevölkerten, sind weitgehend verschwunden. Sie waren dort auf Gewinne angewiesen.

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