Mifa Landkreis hilft Maschmeyers Fahrradhersteller

Sachsen-Anhalt kämpft um den angeschlagenen Fahrradhersteller Mifa. Ein Landkreis kauft der Firma ein Grundstück ab und verhilft der Anleihe zu einem deutlichen Kursplus. Ein prominenter Anteilseigner muss aber bangen.
Update: 16.04.2014 - 13:24 Uhr 4 Kommentare
Montageband bei Mifa: Eine Sanierung soll das Unternehmen retten. Quelle: dpa

Montageband bei Mifa: Eine Sanierung soll das Unternehmen retten.

(Foto: dpa)

SangerhausenDer angeschlagene Fahrradhersteller Mifa tauscht den Chef aus und verkauft ein Betriebsgrundstück, um die Krise des Unternehmens abzuwenden. Die Immobilie in Sangerhausen werde für 5,7 Millionen Euro an den Landkreis Mansfeld-Südharz veräußert und anschließend gemietet, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. In Sachsen-Anhalt geht die Sorge um, einen wichtigen Arbeitgeber zu verlieren. Mifa ist mit 770 Arbeitsplätzen das bedeutendste Unternehmen in der von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten Region Südharz.

Mifa-Chef Peter Wicht hat mit dem Immobiliengeschäft sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Er war zuvor bereits wegen Krankheit nicht mehr im Amt. Als neues Vorstandsmitglied berief der Aufsichtsrat den Sanierer Stefan Weniger, der die Bereiche Reorganisation und Sanierung verantworten soll. Mifa hatte vor einem Monat mitgeteilt, Fehler in der Rechnungsführung entdeckt zu haben und seine Geschäftsprognose kassiert. Die vom Unternehmen begebene Unternehmensanleihe konnte am Mittwoch zumindest teilweise Verluste der vergangenen Wochen wettmachen und notierte bei etwa 66 Prozent des Ausgabewerts.

Die ursprünglich für Mitte April geplante Vorlage der Bilanz 2013 hatte Mifa auf „voraussichtlich Juni“ verschoben. Bereits im Jahr zuvor hatte Mifa eine Million Euro Verlust eingefahren. Doch im Vergleich zu dem Finanzloch, vor dem der Fahrradhersteller jetzt stehen könnte, mutet das eher gering an: 15 Millionen Euro betrug der Verlust 2013 voraussichtlich, wie das Unternehmen im März mitgeteilt hatte. Gründe seien neben Fehlern in der Buchhaltung nicht eingetretene Umsatzerwartungen und gestiegene Kosten. „Momentan ist der Stand so, dass mit Unterstützung externer Sachverständiger intern gründlich untersucht wird, wie es dazu kommen konnte und wo die Ursachen liegen“, sagte ein Mifa-Sprecher.

Das auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte Analysehaus Montega schreibt dazu: „Noch ist das ganze Ausmaß der Misere nicht komplett abschätzbar.“ Bundesweit bekannt wurde die ostdeutsche Firma, als AWD-Gründer Carsten Maschmeyer 2011 einstieg. Er ist mit seiner Familie und seiner Investmentfirma heute einer der größten Aktionäre bei Mifa. Maschmeyer hielt zeitweise ein Drittel der Anteile und zuletzt noch 20,2 Prozent. Die Mifa-Aktie ist derzeit weniger als halb so viel wert wie vor Bekanntwerden der Misere. Von einer Sprecherin ließ Maschmeyer ausrichten, er stehe weiterhin zu dem Unternehmen und glaube fest an die Zukunft des Fahrradherstellers.

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4 Kommentare zu "Mifa: Landkreis hilft Maschmeyers Fahrradhersteller"

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  • Mifa-Produkte kennt man im Alltag hauptsächlich in Form von Baumarkt- und Discounterschrott unter den Markennamen Germatec, McKenzie und Cyco. Also das Zeug, was man i.d.R. spontan für 199 EUR kauft dann nach spätestens einem Jahr in irgendeiner Ecke vor sich hin rostet.

  • Ich werde gegen den Landrat Strafanzeige erstatten. Das riecht nach Korruption, Veruntreuung von Steuergeldern und Amtsmissbrauch. Wo ist die Kommunalaufsicht, die derartige Provinzpossen zu unterbinden hat?

  • Wie wärs denn mal mit Werbung und Imagepflegemaßnahmen?

    Ich kenne die Räder gar nicht wirklich.

    Und mit dem Argument MADE IN GERMANY kann man doch auch punkten.

  • Der Bürgermeister ist geblendet. Er könnte ja auch gleich das Geld dem Maschmeyer überweisen. Der Herr Maschmeyer verdient sein Geld wie Kleinkriminelle die einfach Rechnungen fälschen und den Staat um die Mehrwertsteuer betrügen.

    Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat die Privatbank Sarasin wegen Verstoßes gegen das Bankgeheimnis angezeigt und weitere Klagen angekündigt. Hintergrund des juristischen Scharmützels sind schlecht laufende Anlagen in den Sheridan Solutions Equity Arbitrage Fund. Maschmeyer sieht den Tatbestand der vorsätzlichen Täuschung erfüllt.

    Der Fonds wollte mit so genannten CUM-EX-Geschäften Renditen von acht bis zehn Prozent zu Lasten des Fiskus erzielen. Diese Geschäftspraktiken sind mittlerweile ins Visier der Staatsanwaltschaften geraten. Gegen rund ein Duzend Kreditinstitute und Fonds wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Der Schaden soll bei mehr als einer Milliarde Euro liegen.

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